Niemand zweifelt daran, dass die beiden Katjuschas, die am Dienstag Früh in dem israelischen Örtchen Shlomi nahe der libanesischen Grenze landeten, ein Willkommensgruß der Extremisten an George W. Bush sind. Denn dessen Air Force One soll Mittwochmittag am Tel Aviver Flughafen eintreffen. Ein Besuch, der hastig während der Nachwehen der Annapolis-Konferenz angekündigt wurde und von dem eigentlich niemand wirklich mehr als Fototermine erwartet. Weder die Israelis noch die Palästinenser. Dennoch aber wissen zumindest die Regierungen beider Seiten sein Bemühen durchaus zu schätzen.

Es handelt sich um den ersten offiziellen Besuch des amerikanischen Präsidenten in Israel und den Palästinensergebieten – und wird vermutlich auch sein letzter bleiben. Dass er sich erst nach sieben Jahren im Amt höchst persönlich für eine Einigung im Nahost-Konflikt engagiert, diskreditiert sein Kommen nicht von vorneherein. Auch Nixon, Carter und Clinton waren erst gegen Ende ihrer Präsidentschaften nach Israel gekommen, um – mit gemischten Erfolgen – im Friedensgeschäft mitzuwirken.

Bush aber schürt keine hohen Erwartungen. „Ich bin eine bekannte Größe“, hatte er im Vorfeld in einem seiner Interviews für die israelischen Medien erklärt. Sein erklärtes Ziel ist mittlerweile so unprätentiös, dass man mit einer dramatischen Wende erst gar nicht rechnet. Er strebe bis Ende 2008 ein Abkommen an, das definieren soll, „wie ein palästinensischer Staat aussehen würde“. Die Umsetzung einer solchen Einigung, falls sie denn tatsächlich zustande käme, müsste also ohnehin von seinem Nachfolger überwacht werden.

Der andere Grund seines Besuchs dient der Beruhigung. Bush will den Israelis seine Verbundenheit zusichern, nach den jüngsten Entwarnungen hinsichtlich der iranischen Gefahr. In Israel teilt man diese Einschätzungen nicht. Hier herrscht die Sorge, dass die Welt den amerikanischen Geheimdienstbericht als – falsches – Signal verstehen könnte, sich entspannt zurückzulehnen, während man ganz auf sich allein gestellt an der Front zurückbliebe.

Viel unmittelbarer noch aber wird Bush mit dem fast täglichen Raketenbeschuss auf Sderot konfrontiert werden. Zwar ist eine geplante Demonstration, mit der Einwohner des Wüstenstädtchens den amerikanischen Präsidenten auf ihr Schicksal aufmerksam machen wollten, abgesagt worden. Doch das Thema wird seine Gespräche mit Sicherheit prägen. Denn bisher vermochte das israelische Sicherheitsestablishment, das seit Langem mit einer groß angelegten Militäroperation droht, den Kassam-Hagel aus dem Gazastreifen nicht einzudämmen.

Und dieser erinnert schmerzhaft daran, dass es neben einer moderaten Palästinenserbehörde im Westjordanland, die Bush als geeigneten Ansprechpartner betrachtet, auch einen von der Hamas kontrollierten Gazastreifen gibt, der weiter vom Westen boykottiert wird. Solange aber Israel kein Mittel gegen die Raketen aus Gaza findet, wird es auch nicht das Risiko eingehen, sich aus weiten Teilen des Westjordanlandes zurückzuziehen.