Wenige Tage vor dem Nahost-Besuch von George W. Bush hat ein amerikanischer Al-Qaida-Extremist zu Attentaten auf den US-Präsidenten aufgerufen. "Begrüßt ihn nicht mit Blumen und Applaus, sondern mit Bomben und Fallen", sagte der als "Azzam der Amerikaner" bekannte Al-Qaida-Anhänger Adam Gadahn in einer 50-minütigen Videobotschaft.

Bushs Nahost-Politik habe auf ganzer Linie versagt, sagte der aus Kalifornien stammende Gadahn. In einer theatralischen Geste zerriss der Extremist vor laufender Kamera seinen US-Pass. Die Aufnahme wurde auf mehreren Internetseiten veröffentlicht, die von verschiedenen al-Qaida-nahen Gruppen genutzt werden. Der Heilige Krieg gegen die USA werde weitergeführt, solange auch nur ein einziger Muslim von den USA gefangen gehalten werde. Gadahn, der sich derzeit vermutlich in Pakistan aufhält, war bereits mehrfach in Video-Botschaften von al-Qaida aufgetreten.

Bush reist am Mittwoch erstmals während seiner Präsidentschaft für drei Tage in den Nahen Osten, um zwischen Israel und den Palästinensern zu vermitteln. Die radikal-islamische Hamas kritisierte den Besuch als reinen Foto-Termin. Iran warf den USA Einmischung im Nahen Osten vor. Die Regierung in Washington wolle mit derartigen Besuchen lediglich ihre gescheiterte Nahost-Politik kompensieren, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran. Israels Präsident Schimon Peres zeigte sich hingegen zuversichtlich, dass Bush die stockenden Friedensverhandlungen in Schwung bringen könne.

Trotz wieder aufflammender Gefechte zwischen Israelis und Palästinensern wollen beide Seiten noch vor dem Bush-Besuch die Verhandlungen fortsetzen. Am Montag war ein Treffen zwischen Israels Außenministerin Zipi Liwni und dem ehemaligen palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Qureia geplant. Ziel ist es, sich auf ein Abkommen für Gespräche zu einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten zu einigen.

Am Dienstag soll es voraussichtlich ein weiteres Treffen von Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geben. Abbas und Olmert hatten sich zuletzt Ende Dezember getroffen. Die Gespräche blieben ohne Ergebnis. Vor allem der Streit um die israelischen Siedlungen steht einer Einigung weiter im Wege.

Israelische Medien berichteten aber, Israel und die Palästinenser wollten nach dem Besuch von Bush Verhandlungen über die Kernfragen ihres Konflikts aufnehmen. Nach Angaben der Zeitung Haaretz sollen die Hauptstreitthemen – Jerusalem, der künftige Grenzverlauf sowie die Flüchtlingsfrage – von einem Komitee unter Leitung Liwnis und Qureias verhandelt werden. Weitere Komitees sollten sich mit anderen Streitfragen befassen. Die Verhandlungen über die Kernpunkte des Nahost-Konflikts waren im Jahr 2001 erfolglos abgebrochen worden.

Olmert kündigte am Sonntag während der wöchentlichen Kabinettssitzung ein härteres Vorgehen im Gazastreifen an. Der jüngste Angriff auf die Hafenstadt Aschkelon mit einer Rakete größerer Reichweite stelle eine "Eskalation der Terroraktivitäten" dar. Verteidigungsminister Ehud Barak wies die Sicherheitskräfte an, die israelische Reaktion zu verschärfen. Bei einem Vorstoß der israelischen Armee in ein Flüchtlingslager kamen Krankenhausangaben zufolge vier Palästinenser ums Leben, darunter drei Zivilisten.