Acht Familien sind in unser Café gekommen kurz vor Sylvester. Das Familienzentrum ist auch zwischen Weihnachten und Neujahr geöffnet, denn wir haben festgestellt, dass es gerade nach dem Festtagstrubel besonders wichtig ist, für die Menschen da zu sein, denen die ganze Rührseligkeit auf das Gemüt geschlagen ist.

27 Kinder jagen johlend durch den Flur, hopsen auf dem großen Trampolin, das Nora im Kindertreff aufgebaut hat, und liefern sich mit Weichschaumschwertern aufregende Duelle. Zum Beispiel Jacqueline mit ihrer grau-blassen Gesichtsfarbe, die den Blick nicht geradeaus halten kann. Sie hat vermutlich wie manch anderes Kind hier mehr vor dem Bildschirm als vor dem Weihnachtsbaum gesessen.

Nur der siebenjährige Robin sitzt abseits in der Spielecke und schaut unbeteiligt aus dem Fenster. Robin stinkt. Eindeutig nach Kot. Es ist nicht das erste Mal.

Ich spreche Jutta, seine Mutter, an. Sie springt gleich auf und will zu ihrem Kind stürzen, doch ich halte sie zurück. Ob ich mir vorstellen könne, wie eklig das sei, ein so großes Kind sauber zu machen? Oh ja, das kann ich. Ich bitte sie trotzdem, Ruhe zu bewahren. Ob sie sich erinnern kann, was sie mit der Therapeutin abgesprochen hat? Nun ja. Es ist schon eine Weile her, aber sie weiß, was ich meine. Kein großes Aufheben machen. Keine Vorwürfe. Das Kind nicht beschämen.

Sie trinkt ihre Tasse aus, zählt innerlich bis 100, dann geht sie zu Robin. Sie spricht leise mit ihm, er schaut sie überrascht an. Dann steht er auf und nimmt ihre Hand. „Wir gehen eben duschen und umziehen“, sagt Jutta.

Im Frühjahr vergangenen Jahres begann Robin, in die Hose zu machen. Manchmal verpackte er den Kot in Tüchern und versteckte sie im Kinderzimmer, im Bettkasten oder im Schrank. Die Eltern waren entsetzt und suchten Rat beim Kinderarzt, der ihnen – glücklicherweise sehr schnell – einen Therapieplatz bei einer Kinderpsychotherapeutin vermittelte.