Die Krise an den Finanzmärkten fordert ein neues Opfer. James Cayne, Chef der problembeladenen Investmentbank Bear Stearns, wird abtreten. Dem Aufsichtsrat der Bank hat Cayne Medienberichten zufolge schon mitgeteilt, dass er nicht mehr für seinen Posten zur Verfügung steht. Seit 1993 leitet der 74-jährige Cayne die fünftgrößte US-Investmentbank, sein Nachfolger soll Topmanager Alan Schwartz werden, während Cayne dem Direktorium der Bank weiter vorstehen soll.

Bear Stearns war die erste Bank, bei der sich die Krise an den Finanzmärkten bemerkbar machte. Im vergangenen Sommer kollabierten zwei Hedgefonds des Instituts, die auf einen fortgesetzten Boom am Immobilienmarkt spekuliert hatten. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres musste das Institut erstmals in seiner Firmengeschichte einen Verlust ausweisen. Um die Kapitalbasis zu stärken, holten die Amerikaner das chinesische Kreditinstitut Citic an Bord, das einen Anteil von sechs Prozent erwarb.

Mit dem Rücktritt von Cayne zieht eine weitere  Bank personelle Konsequenzen aus der Krise. Auch die Chefs von Merrill Lynch, der Citigroup, der UBS und der IKB mussten gehen. Dass es so kommt, ist eine gute Nachricht. Es sollte die Sorgen all jener dämpfen, die argumentieren, die Stützungsaktionen der Zentralbanken würden dazu führen, dass diejenigen, die für die Krise verantwortlich sind, ungestraft davonkommen.

Damit haben die Demissionen der Bankchefs eine gesamtwirtschaftliche Perspektive: Denn die Zentralbanken stehen vor einem Dilemma. Zur Krise an den Märkten ist es gekommen, weil die Banken zu hohe Risiken eingegangen sind. Greifen die Währungshüter nicht ein, droht die gesamte Volkswirtschaft in den Abgrund gerissen zu werden. Stützen sie die Märkte mit Geldspritzen, birgt dies das Risiko, dass die Banken ihre Geschäftspraxis beibehalten, weil sie sich darauf verlassen können, von den Notenbanken gerettet zu werden. Je mehr Banken die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, desto eher können die Währungshüter ihre für die Konjunktur so wichtigen Marktoperationen rechtfertigen.

Klar ist aber auch: Um was es jetzt geht, ist reine Schadensbegrenzung. Wenn die abgeschlossen ist, muss eine Diskussion über die strukturellen Ursachen der Krise her. Die liegen auf der Hand. Der Finanzsektor ist Opfer seiner eigenen, überdrehten Profitziele geworden. Sie haben dazu geführt, dass ohne Rücksicht auf das Risiko immer mehr Rendite her musste – wenn das eigene Kerngeschäft nicht genug Gewinn hergab, hat man sich eben am US-Immobilienmarkt eingedeckt. Nötig ist deshalb nichts weniger als eine neue Kultur der Bescheidenheit.