Eigentlich, sagt Peter Gruber, macht er einen guten Job. Der gelernte Industriemeister arbeitet beim Stahlkonzern Salzgitter. 16 Leute arbeiten in seinem Team an einer Bandmaschine, an der unter anderem Kühlschränke lackiert und beschichtet werden. Gruber teilt die Schichten ein und überwacht die Arbeitsabläufe. Sechs Tage am Stück, erst zwei Frühschichten, dann zwei Spätschichten, dann zweimal in der Nacht. Danach hat er vier Tage frei. Ein harter Job, vor allem zurzeit. Denn seit der Stahlmarkt boomt, ist die Produktion voll ausgelastet. „Es gibt viel zu tun“, sagt Gruber. „Nur in unseren Taschen merken wir davon nicht viel.“

2800 Euro verdient der 39-Jährige Netto in der Schichtarbeit bei Salzgitter. Die Mitarbeiter seines Teams haben Netto am Ende des Monats zwischen 1800 und 2000 Euro. Unter dem Strich verdienten sie nicht viel mehr als vor zehn Jahren, sagt Gruber. „Alles ist teurer geworden: Energie, Brot, Benzin.“  Viele im Betrieb würden daher jetzt sagen: Es ist an der Zeit, mal richtig zuzulangen. Das sei früher nicht so gewesen. „Die Leute erwarten, dass sich endlich etwas bewegt“, sagt Gruber.

Tatsächlich scheint in keiner Branche die Forderung nach höheren Löhnen gerechtfertigter als beim Stahl. Noch nie ging es der Branche hierzulande so gut wie heute. In den ersten neun Monaten 2007 machte der Salzgitter-Konzern, der in Deutschland insgesamt mehr als 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, so viel Umsatz und operativen Gewinn wie in keinem Jahr zuvor. Auch bei Thyssen-Krupp Steel und den Werken des ArcelorMittal-Konzerns, den anderen großen Produzenten im deutschen Markt, laufen die Geschäfte rund, die Gewinne sprudeln.

Die Hausse ist von Dauer: Seit fünf Jahren schreibt die Branche Rekordergebnisse. Der Grund hierfür liegt in China, wo ein Milliardenvolk nach Autos, Kühlschränken und Stahlbrücken strebt. Weltweit wurde nie mehr Stahl produziert als in diesen Tagen. Zugleich sind die Löhne in der Branche in den vergangenen Jahren zwar stärker als in anderen Branchen, insgesamt aber eher moderat gestiegen. Zwischen 1996 und 2006 verzeichnet das Statistische Bundesamt ein Lohnplus von 15,3 Prozent für den Stahl- und Leichtmetallbau. Das meiste davon hat allerdings die Inflation gefressen.

Acht Prozent mehr Lohn fordert deshalb die IG Metall für die Eisen- und Stahlindustrie in diesem Jahr, und zusätzlich einen Tarifvertrag mit einer kurzen Laufzeit von 12 Monaten. Die würde der Gewerkschaft ermöglichen, in einem Jahr noch einmal draufzusatteln. Ende Januar läuft der bisherige Tarifvertrag aus, dann wird neu verhandelt. Es ist der Auftakt zu einer großen Tarifrunde 2008: Nach den Stahlarbeitern wird für den Öffentlichen Dienst und die Löhne der 1,3 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen verhandelt, später für die Chemiebranche und im Oktober für die Metall- und Elektroindustrie.

In all diesen Tarifgesprächen wird nicht nur um ein paar Prozentpunkte mehr Lohn verhandelt. Stattdessen geht es auch um Anerkennung, Teilhabe und Gerechtigkeit. Noch nie klafften in Deutschland die Löhne und Gewinne der Unternehmen so weit auseinander. Zugleich gibt es viele Anzeichen, dass die Deutschen davon genug haben.