Die Grünen sind wieder im Gespräch. Nicht, dass sie dies selbst erreicht hätten. Dafür haben andere gesorgt. Zum Beispiel der Hamburger Oberbürgermeister Ole von Beust mit seinem Angebot einer schwarz-grünen Koalition nach den Bürgerschaftswahlen im Februar. Auch die SPD und selbst die Linkspartei buhlen um eine Zusammenarbeit mit den Grünen.

Doch der unverhoffte Schwung ist trügerisch. Wie sehr der einstigen Regierungspartei ein eigenes Profil fehlt, ist in diesen Tagen an den Äußerungen ihrer Spitzenpolitiker deutlich abzulesen. Die bestehen fast ausnahmslos darin, die zweifelhaften Avancen etwa der CDU abzuwehren. Die verbalen Attacken gegen die „schwarzen Kurfürsten“, die es aus dem Amt zu kegeln gelte (Grünen-Vorsitzender Reinhard Bütikofer), können das kaum verbergen.

Das Problem: Die Grünen haben kein Thema, mit dem sie mehr anfangen könnten, als nur Spekulationen um mögliche Koalitionen mit grüner Beteiligung zu dementieren. Nichts, womit sich Aufbruch signalisieren ließe. Die klassischen Sujets grüner Politik haben längst CDU und SPD besetzt. Seit Angela Merkel sich als oberste Klimaschützerin inszeniert, laufen die Grünen den Initiativen der Kanzlerin ausgerechnet in ihrem ureigenen Politikfeld hinterher.

In der Bildungspolitik ist es ähnlich, hier hat die SPD das Thema Chancengleichheit entdeckt und sich mit der Einführung von Einheits- und Ganztagsschulen alte grüne Forderungen zueigen gemacht. Für mögliche Koalitionen, zum Beispiel in Hamburg, mögen solche Gemeinsamkeiten durchaus von Vorteil sein. Im Wahlkampf helfen sie aber nur bedingt.

Vielleicht ist dieses Dilemma der Grund dafür, dass sich die Partei auf die Wurzeln ihrer Anfangszeit besinnt: Den Kampf für die Demokratie an sich. „Wir wollen die Verfassung verteidigen“, sagte die Vorsitzende Claudia Roth dazu am Dienstag zum Abschluss einer zweitägigen Klausursitzung des Parteivorstandes. Vor allem gelte es "das Projekt des Überwachungsstaates" zu verhindern.

Roth nannte ausdrücklich die Verschärfung des BKA-Gesetzes und die von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) geforderte Online-Durchsuchung von Privatcomputern. Beteiligen wollen sich die Grünen auch an der Verfassungsklage gegen die seit dem 1. Januar geltende Vorratsdatenspeicherung.