Vor der 2. Zivilkammer des Landgerichts Berlin beginnt am Mittwoch der Schadensersatzprozess des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer. Nach dessen strafrechtlicher Verurteilung zu zwei Jahren und fünf Monaten Freiheitsstrafe hatte der DFB die Klage eingereicht.

Die Ansprüche des Verbandes belaufen sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Sie setzen sich zusammen aus zu Unrecht erhaltenen Schiedsrichterhonoraren, Aufwendungen für einen außerordentlichen Bundestag und Vergleichszahlungen an den Hamburger SV für ein von Hoyzer manipuliertes Pokalspiel beim SC Paderborn.

Hoyzer selbst wird dem Prozess nicht beiwohnen. Das teilte sein Anwalt Thomas Hermes im Vorfeld mit. Hoyzer sitzt zur Zeit in Berlin-Hakenfelde ein. Ab und zu gibt er Journalisten Interviews aus dem Gefängnis.

DFB-Präsident Theo Zwanziger gab sich vor dem Prozess im Ton versöhnlich, doch in der Sache blieb er hart. Es habe nicht die Absicht, Herrn Hoyzer jetzt "Zeit seines Lebens zu verfolgen", sagte er. "Was wir hier tun, ist unsere Verpflichtung als gemeinnütziger Verband." Der DFB habe sich zu der Klage entschlossen, sagte Zwanziger, weil er nicht ausschließen könne, dass Hoyzer nach seiner Entlassung aus der Geschichte Geld machen könnte. Tatsächlich bestätigte Hoyzer im vergangenen Mai, dass er an einem Buch schreibe, in dem neue Enthüllungen zu erwarten seien.

Hoyzer sieht die Forderungen des DFB als völlig unbegründet an. "Wenn der DFB jetzt die Aufwendungen für seinen außerordentlichen DFB-Bundestag am 28. April 2005 beklagt, so kann er doch nicht meinen Mandanten dafür haftbar machen", sagte sein Anwalt. Zudem vertritt der Verteidiger die Auffassung, dass die Millionen-Entschädigung des Hamburger SV durch den DFB  unnötig gewesen sei, da man dem Einspruch des Vereins gegen das durch Hoyzer manipulierte DFB-Pokalspiel in Paderborn (2:4) hätte stattgeben müssen - und somit weder dem HSV noch dem DFB ein Schaden zugefügt worden wäre.

Zwanziger sagte hingegen: "Ohne das Fehlverhalten von Herrn Hoyzer hätten wir das Geld an den HSV nicht zu zahlen brauchen." Der mit dem HSV geschlossene Vergleich macht mit 1,5 Millionen Euro den Hauptanteil der Klageforderung des DFB aus.