Der Bundesstaat Iowa hat drei Millionen Einwohner, unter ihnen nur 2,5 Prozent Schwarze – und doch hat der farbige Kandidat Barack Obama bei den Demokraten die erste Abstimmung über die Präsidentschaftskandidaten klar gewonnen. Gewiss, die Schlussfolgerung ist verfrüht, gleichwohl ist sie unausweichlich: Beweist dieses Ergebnis nicht, dass Amerika für einen schwarzen Präsident reif ist? "Obamas Sieg, in diesem überwiegend weißen Staat, ist eine starke Antwort auf die Frage, ob Amerika bereit ist, einen Schwarzen als Präsidenten zu wählen. Beachtlich ist aber, dass dieser Faktor keine Rolle im Wahlkampf gespielt hat," schreibt die New York Times.

Hinzu kommt, dass sich die schwarzen Wähler bisher überwiegend loyal gegenüber den Clintons gezeigt haben. Obama hat sowohl Clinton als auch Edwards geschlagen. Besonders herauszuheben sei aber laut CNN.com, "wie er gewonnen hat. Er hat seine Konkurrenten quer durch ein beeindruckendes demografisches Spektrum besiegt." Obama habe die Stimmen von vielen Demokraten und Unabhängigen erhalten, aus allen Einkommensschichten. "Menschen, die an der Richtigkeit des Irak-Krieges zweifeln, gaben Obama ihre Stimme. Ebenso wie jene, die sich über die wirtschaftliche Zukunft des Landes sorgen und eine Verbesserung des nationalen Gesundheitssystems fordern."

Wenn nur ein Wort Barack Obama charakterisieren sollte, dann dieses: "Change" , "Veränderung". Es steht bei jedem Auftritt an seinem Rednerpult, wird überall von seinen Anhängern gepredigt, ist auf all seine Wahlplakate geschrieben und in all den Artikeln über Obama zu lesen. "Was die Leute zu seiner Wahl angetrieben hat, scheint die Idee zu sein, dass Obama der Welt ein neues Gesicht von Amerika bieten würde. Eine Koalition von Demokraten und Unabhängigen strömte in die Wahlveranstaltungen in allen Ecken des Staates, um jemanden zu unterstützen, der erst vor drei Jahren nach Washington kam," schreibt die New York Times.

Ein Argument, dass seine Kontrahentin Hillary Clinton oft anbrachte: Obama sei ein Jüngling, sie habe im Gegenteil 35 Jahre politische Erfahrung. Diese Strategie hat sich spätestens seit Donnerstagabend erfolglos erwiesen. Wer hätte gedacht, dass Hillary Clinton nur die drittplatzierte Kandidatin der Demokraten würde? Ihr Name könnte ihr größter Feind sein – und unterstreicht abermals die Vorstellungskraft von Obamas Slogan "Change" , dass sich nicht nur gegen Bush, sondern auch gegen sie richtet. Nicht als Frau, sondern als Teil der Clinton-Dynastie. "Sie war nicht nur die einzige Kandidatin für das Weiße Haus, die als Präsidentin von der ersten Minute an hätte regieren können; sie steht für den Wiedereinzug der Clintons", schreibt die Washington Post.

Trotz der Schlappe gab sich Clinton kämpferisch. "Wir senden eine klare Botschaft: Wir werden eine Änderung haben, und diese Änderung wird ein demokratischer Präsident im Weißen Haus in 2009 sein," sagte sie. "Die Hauptsache ist (...): Wie werden wir im November 2008 gewinnen, indem wir einen Kandidaten nominieren, der den ganzen Weg gehen kann? Wer wird der beste Präsident vom ersten Tag an? Ich bin für diesen Wettbewerb bereit." Doch lassen die Ergebnisse das Team von Clinton in einer besorgniserregenden Stimmung, selbst wenn der Bundesstaat Iowa bekanntlich für sie die schwierigste Aufgabe war. Einige Berater hatten sich dafür ausgesprochen, die Vorwahl in Iowa zu überspringen. Daher will sich ihr Kommunikationsdirektor zuversichlich geben: "In Iowa beginnt erst der Wahlkampf; es ist nicht da, wo er endet," sagt Howard Wolfson.