Der Frauenförderplan ist gewissermaßen die Chiffre für die Emanzipation und den Zeitgeist der 1980er und 1990er Jahre: Die Geschlechterverhältnisse sollten korrigiert und die Frauen endlich in die gesellschaftliche Position gebracht werden, die ihnen über Jahrhunderte vorenthalten wurde. Mittlerweile aber wären womöglich Förderungsprojekte für junge Männer angeraten. Zumindest fühlen sich die heute Anfang-20-Jährigen männlichen Geschlechts in der Regel denkbar verunsichert.

Junge Männer – so zeigen etliche Expertisen – trauen der Zukunft nicht. Bei ihnen grassiert die Angst davor, sich in ihrem Leben falsch zu entscheiden; es kursiert unter ihnen die Furcht vor dem Scheitern. Spätestens seit der Oberstufenzeit werden sie von ihren Lehrern und Eltern gemahnt, an gute Noten und ein gutes Abitur zu denken, ein beruflich aussichtsreiches Studienfach oder Ausbildung auszuwählen und nicht – wie ganze Studentengenerationen vor ihnen – schweifend nach Erkenntnis und trinkseligem Lebensgenuss zu suchen, sondern ohne Verzug zielstrebig den Abschluss anzugehen.

Einiges davon werden auch die jungen Frauen von ihren Eltern zu hören bekommen. Doch reagieren sie darauf erkennbar gelassener, weniger bedrückt als ihre männlichen Pendants. Die fühlen sich heute mental auf eine Weise überfordert wie selten zuvor. Denn die Erwartungen, die an sie gerichtet werden, sind gewachsen, vor allem aber sind sie erheblich widersprüchlicher geworden. Für diese neue Heterogenität nicht leicht kombinierbarer Rollen fehlen noch die orientierenden Maßstäbe.

So wächst sich bei den Jungmännern eine typische Bangigkeit fast schon zum Trauma aus: Sie fürchten, mit größten Anstrengungen vielleicht zwar sämtliche an sie gerichteten Erwartungen realisieren zu können – am Ende aber doch als Gescheiterte dazustehen.

Die Paranoia des Scheiterns bezieht sich dabei keineswegs allein auf die Berufsperspektive, sondern im erheblichen Maße auch auf das Verhältnis zu den gleichaltrigen Frauen. Die jungen Männer tragen nach wie vor am Anspruch, künftig als Haupternährer der Familie zu agieren, Karriere zu machen, in einer unsentimentalen Leistungsgesellschaft sich mit Härte durchzusetzen zu müssen. Zugleich aber wissen sie, dass ihre (potenziellen) Partnerinnen auch andere Eigenschaften und Verhaltensweisen von ihnen verlangen. So sollen sie später die Familie nicht dem Beruf unterordnen, sich in gleichen Teilen um den Haushalt und die Erziehung der Kinder kümmern, und sie  sollen darüber hinaus einfühlsame Problemversteher und aufmerksame Zuhörer sein.

Die 20-jährigen Männer bereiten diese disparaten Rollenanforderungen erkennbar Probleme. Denn schließlich haben sie auch weiterhin ein bisschen Machos zu sein, nach überlieferter Art auf die Jagd nach "Beute" zu gehen. Im unerbittlichen Wettbewerb um die Karriere und die Frauen muss Mann die (männlichen) Rivalen rüde aus dem Feld schlagen. Doch zugleich soll er ebenso Zartheit zeigen und  Empathie beweisen, als Vorbild am Wickeltisch und als fantasievoller, liebevoller Lebensgefährte und Vater überzeugen. Und selbst wenn sie all diese Rollen virtuos miteinander kombinieren, fürchten die Nachwuchsmänner in ihrem Innersten, könnten sie am Ende von ihrer (künftigen) Partnerin schnöde die Koffer in die Hand gedrückt bekommen.