Vor der geplanten Massendemonstration der kenianischen Opposition sind am Donnerstag am Versammlungsort im Zentrum Nairobis starke Sicherheitskräfte aufgezogen. Um den Uhuru Park stehen mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten und paramilitärische Truppen im Abstand von jeweils etwa zwei Metern.

Oppositionsführer Raila Odinga hat seine Anhänger für Donnerstagvormittag dazu aufgerufen, trotz Verbotes friedlich und mit Trauerflor auf die Straße zu gehen. Damit soll gegen den umstrittenen Wahlsieg von Präsident Mwai Kibaki protestiert werden. Odinga rechnet damit, dass bis zu einer Million Menschen seinem Aufruf folgen.

Beobachter fürchten, dass es zu blutigen Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten kommen könnte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Anhänger Odingas auf, größte Zurückhaltung zu üben und jede Provokation zu vermeiden. An die Regierung und andere politische und religiöse Führer appellierte der UN-Chef, weitere Gewalt zu verhindern und die Zivilbevölkerung unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft zu schützen.

Odinga äußerte sich indes skeptisch, dass sich die Lage in seinem Land rasch beruhigen könnte. "Das ist erst der Anfang der Massenaktionen, die wir vielleicht für Wochen, für Monate oder ein Jahr durchführen werden", sagte er dem ZDF. "Man kann keinen Frieden haben, wenn es keine Gerechtigkeit gibt." Er warf Kibaki vor, durch einen "zivilen Putsch" an der Macht bleiben zu wollen.

Im Streit über den Ausgang der Präsidentenwahl vom vergangenen Donnerstag ist es in Kenia zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mehr als 100.000 Menschen sind im ganzen Land auf der Flucht. Über 300 Menschen kamen nach Schätzungen der kenianischen Menschenrechtskommission binnen weniger Tage ums Leben. Die Gruppe warnte davor, dass das Blutvergießen zu einem Konflikt "zwischen den verschiedenen Volksgruppen" werden könnte. Odinga gehört den Luo an, Kibaki den Kikuyu, die seit der Unabhängigkeit des Landes von den britischen Kolonialherren 1963 an den Machthebeln sitzen.

Angesichts der eskalierenden Gewalt wächst international die Sorge um eine weitere Destabilisierung des ostafrikanischen Landes. Ban Ki Moon kündigte einen Vermittlungsversuch an. Er stehe derzeit mit der kenianischen Führung, der Afrikanischen Union und anderen betroffenen Parteien in Kontakt, um nach Wegen aus der Gewalt zu suchen, teilte seine Sprecherin am Mittwoch in New York mit. "Eine Lösung im Geiste des Dialogs ist dringend nötig", sagte sie.