«Wir bieten eine Übergangsregierung zwischen Kibakis und meiner Partei an», sagte Odinga der Neuen Osnabrücker Zeitung . Diese Koalition solle binnen drei Monaten eine Wiederholung der Präsidentenwahl vorbereiten. Von einer ursprünglich geforderten Neuauszählung der Wahlzettel rückte Odinga ab. «Die Dokumente sind in den vergangenen Tagen gefälscht worden. Sie noch einmal auszuwerten, macht keinen Sinn.»

Nach Odingas Worten müssten Verhandlungen mit dem offiziellen Wahlgewinner Kibaki unter den Augen eines internationalen Vermittlers ablaufen. Dafür kämen drei Persönlichkeiten infrage: «Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, Ghanas Präsident und zugleich Vorsitzender der Afrikanischen Union, John Kufuor, sowie der ehemalige Präsident von Sierra Leone, Tejan Kabbah.»

Nach den Vorstellungen Kibakis soll eine Regierung der nationalen Einheit nicht nur die Kenianer vereinen, sondern auch den Versöhnungsprozess fördern, hieß es in einer am Samstag herausgegebenen Erklärung.

Die internationalen Bemühungen um eine Vermittlung gingen unterdessen weiter. Die US-Gesandte Jendayi Frazer traf sich am Wochenende sowohl mit Kibaki als auch mit Odinga. In der kommenden Woche wird Kufuor als weiterer internationaler Vermittler erwartet.

Odinga erkennt Kibakis umstrittenen Sieg bei der Präsidentenwahl vom 27. Dezember nicht an und spricht von Wahlbetrug. Nach den Wahlen waren Unruhen ausgebrochen, bei denen bislang mindestens 350 Menschen getötet wurden. Odingas Partei hatte noch am Freitag Neuwahlen gefordert. Bei den gleichzeitig mit den Präsidentenwahlen abgehaltenen Parlamentswahlen hatte Odingas Partei ODM die meisten Mandate erhalten.

Am Sonntag trafen erste Hilfslieferungen der Vereinten Nationen in Kenia ein, um die Menschen in den von den politischen Unruhen betroffenen Gebieten zu versorgen. Nach Schätzungen der UN sind rund 500.000 Menschen auf Hilfe angewiesen. Lebensmittel sollen zunächst in die Slums von Nairobi und die Stadt Eldoret im Rift Valley geliefert werden, wo nach Gewaltausbrüchen die Versorgung kaum noch gesichert ist. Hilfsorganisationen berichten, es seien bereits Kinder an Erschöpfung gestorben.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte vor den wirtschaftlichen Folgen der Krise. Wenn das Problem nicht angegangen werde, drohe dem ostafrikanischen Land eine «Wirtschaftskatastrophe». IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn befürchtet, dass die Gewalt auch für andere Länder der Region negative wirtschaftliche Folgen haben könnte, da Kenia ein wichtiges Transitland sei. 

Alle Radio- und Fernsehstationen Kenias strahlten am Sonntagabend ein gemeinsames Friedensgebet aus. Führer der christlichen Kirchen, von Moslems und Hindus beteten für ein Ende der Gewalt und für Einheit, Wahrheit und Gerechtigkeit in Kenia.