"Das Niveau des Wahlkampfes von Herrn Ministerpräsident Roland Koch unterscheidet sich kaum noch von dem der NPD", sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer. Er warnte davor, Vorurteile gegenüber Ausländern zu schüren. Es gebe bereits "erste Anzeichen, dass vor allem die NPD und andere rechtsextreme Gruppen die Debatte nutzen". Kramer nannte es "unverantwortlich, wenn Politiker hier mit dem Feuer spielen". Notwendig sei nun "lauter Widerspruch“ aus der Gesellschaft. Das, was die CDU momentan mache, sei "Populismus, keine Politik".

Auch Gerhard Schröder, der sozialdemokratische Altbundeskanzler, übte zum wiederholten Mal scharfe Kritik an der CDU. Er warf seiner Nachfolgerin Angela Merkel und Roland Koch vor, einen einseitigen Wahlkampf zu betreiben. Die Diskussion um kriminelle Ausländer zeige, dass offenkundig beide "auf dem rechten Auge blind" seien, sagte Schröder. Wirklich überrascht habe ihn das aber nicht, sagt Schröder: "Das ist eine Wahlkampf-Hetze, für die Herr Koch bekannt ist." Dabei übersehe die Union mutwillig, dass Gewalt auch ein Problem deutscher Jugendlicher sei. "Junge deutsche Rechtsradikale verüben im Schnitt jeden Tag drei Gewalttaten - meist gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe." Dazu sei von Herrn Koch und Frau Merkel leider nichts zu hören.

Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn attackierte Koch ebenfalls: "Billig", "schäbig" und "niederträchtig" sei die Forderung nach einer Verschärfung des Strafrechts. Kuhn bedauerte, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Wahlkampf Kochs angeschlossen habe. Längere Gefängnisstrafen lehnen die Grünen ab. "Viele straffällige Jugendliche werden in den Gefängnissen erst richtig auf kriminelle Karrieren vorbereitet", sagte Kuhn.

Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine. "Die Erfahrung lehrt, dass Jugendliche, die zu früh in den harten Knast geschickt werden, sich oft zu lebenslangen Gewalttätern entwickeln", sagte er. "Gute Schulen sind die besten Erziehungscamps." Deshalb sei Koch "gut beraten, seine vermurkste Schulpolitik zu überdenken", sagte Lafontaine.

Die Parteiführung der CDU wies die Kritik inzwischen in scharfer Form zurück. Der Vorwurf, der Wahlkampf von Roland Koch unterscheide sich kaum noch von dem der NPD, sei "an Absurdität gar nicht mehr zu überbieten", sagte Generalsekretär Ronald Pofalla. "Das Recht, das die CDU ändern würde, gilt für alle Jugendliche in Deutschland, ob sie Deutsche sind, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder ob sie Ausländer sind", sagte er. Auch CSU-Chef Erwin Huber sagte, der NPD-Vergleich sei abwegig.

Während die Aufregung also groß ist, Koch von allen Seiten attackiert wird, hat der Kritisierte selbst inzwischen die Tonart gewechselt. Vorübergehend jedenfalls. Am Dienstag zeigte der hessische Ministerpräsident sich plötzlich konziliant. Er forderte den SPD-Chef Beck auf, gemeinsam "rasch Konsequenzen zu ziehen". Außerdem räumte ein, dass härtere Strafen allein kein Patentrezept gegen jugendliche Intensivtäter seien. Koch sagte, ihm sei klar, dass die von der Union angestrebten Gesetzesverschärfungen nur ein Teil der Lösung seien. "Ich behaupte nicht, dass dann alles erledigt ist", sagte der Ministerpräsident.