Als Pakistans Präsident Pervez Musharraf am Mittwochabend vor die Kameras trat, um eine Rede an die Nation zu halten, ging es auch um sein eigenes Schicksal. Nach dem Mord an der Oppositionsführerin Benasir Bhutto mehrten sich die Stimmen, die seinen Rücktritt verlangten. In der Bevölkerung hat Musharraf längst den Rückhalt verloren. Die USA, seine Hauptsponsoren, gehen mehr und mehr auf Distanz und suchen nach Alternativen. Die Pakistaner sahen gestern Abend also einen sehr einsamen Mann vor die Kameras treten.

Einige Experten hatten gehofft, dass Musharraf "im Interesse der Nation" den Weg frei machen würde. Doch er tat das Gegenteil. Musharraf präsentierte sich als Vater der Nation, der in der Stunde der höchsten Not gebraucht wird. Dabei schlug er gegenüber der Opposition versöhnliche Töne an. Er fühle, sagte er, denselben Schmerz wie die Familie Bhutto und dieselbe Wut. Er kündigte an, Scotland Yard bei der Aufklärung des Mordes an Bhutto um Hilfe zu bitten. Damit erfüllte er eine Forderung der Oppositionsparteien. Insbesondere Bhuttos PPP ( Pakistans Peoples Party ) zweifelt an der offiziellen Version, wonach al-Qaida für den Mord an Bhutto verantwortlich wäre. Die PPP beschuldigt Mitglieder des Regierungsapparats.

In diesem Punkt freilich gab Musharraf nicht nach. Er blieb bei der Version der Regierung, wonach die Taliban und al-Qaida Bhutto getötet hätten. Das wird weiterhin Kritik auf sich ziehen. Allerdings wird sie schwächer ausfallen. Die Ankündigung, Scotland Yard hinzuzuziehen, war ein geschickter Schachzug, der Druck von Musharraf nimmt und Zeit gewinnt.

Dann überbrachte Musharraf der Opposition eine weitere Nachricht, die ihr nicht gefallen dürfte: Die Wahlen, ursprünglich für den 8. Januar angesetzt, wurden von der Wahlkommission auf den 18. Februar verschoben. Die beiden großen Oppositionsparteien, die PPP und die ML-N, protestierten scharf dagegen . Es gab zwar gute technische Gründe, die Wahlen zu verschieben. Während der Unruhen, die nach dem Mord an Bhutto das Land erfasst hatten, sind eine ganze Reihe von Wahllokalen zerstört worden. Doch für die Verschiebung der Wahlen waren politische Motive wichtiger. Bhuttos PPP kann in der momentanen Situation mit einem Sieg rechnen, weil viele Pakistaner aus Sympathie und Solidarität mit der Ermordeten für die PPP stimmen würden. Je ferner der Wahltermin liegt, desto schwächer dürfte dieser Sympathie-Bonus ausfallen. So jedenfalls das Kalkül der Regierung - und die Angst der PPP. Darum protestiert sie. Wobei diese Proteste der PPP schon als Teil des Wahlkampfs zu sehen sind.

Musharraf hat sich angestrengt, doch dürfte es ihm nicht gelungen sein, sich glaubwürdig als Vater der Nation zu präsentieren. Die Pakistaner haben diesen Mann im Laufe der vergangenen acht Jahre immer und immer wieder in dieser Inszenierung gesehen: "Ich oder der Untergang"; "Ich oder der Terror"; "Ich oder das Chaos". So lautete seine Botschaft stets. Jetzt haben die Pakistaner aber begriffen, dass diese Inszenierung anders zu lesen ist: "Ich bringe das Chaos". Deshalb bleibt Musharraf einsam. Nach den Wahlen vom 18. Februar wird es für ihn erst richtig eng werden. Die PPP will seinen Rücktritt erzwingen.