"Richtig!" Mit Ausrufezeichen und Fettdruck, ihren üblichen Stilmitteln, schlägt sich die Bild -Zeitung an diesem Montag auf Roland Kochs Seite. Sie teilt seine Einschätzung, dass zu viele „junge kriminelle Ausländer“ in Deutschland leben – schließlich hat er sie ja zuerst in diesem Blatt verbreitet. Da aber kaum eine andere Zeitung mit gleicher Stoßrichtung in die Debatte eingestiegen ist, gibt Bild dem hessischen Ministerpräsidenten und Wahlkämpfer nun kräftig Flankenschutz: Es sei wichtig, „dass über die Dinge gesprochen wird, die falsch laufen in diesem Land, für die die Wähler Lösungen erwarten.“ Für Bild gehören da „Kriminalität“, „Jugendgewalt“ und „gescheitertes Multikulti“ natürlich ganz oben auf die Liste.

Diese Meinung hat das Boulevard-Blatt aus dem Hause Springer allerdings ziemlich exklusiv. Selbst die Verlagsschwester Welt betrachtet das Thema differenzierter. Auch hier schreibt der Kommentator zwar, dass Koch ein Thema angepackt habe, „über das man reden muss – auch im Wahlkampf“. Fairerweise dürfe man aber nicht verschweigen, dass der Anteil der ausländischen Straftaten in Deutschland zurückgehe. Darauf hinzuweisen unterlasse Koch leider, bedauert die Welt .

Ein drittes Blatt, das der Unionskampagne zumindest partiell etwas Gutes abgewinnen kann, ist erwartungsgemäß die Frankfurter Allgemeine Zeitung . In ihrem Leitartikel weist sie darauf hin, dass Koch „die SPD unangenehm überrascht“ habe. Immerhin sei es ihm gelungen, „die vorweihnachtliche Mindestlohndebatte mit einer harten sicherheitspolitischen Debatte erst einmal vom Tisch zu fegen.

Das war es dann aber auch schon an Zustimmung für den Koch-Vorstoß, zumindest an veröffentlichter. Die überwiegende Mehrheit der Kommentatoren hält es wie die Mehrheit der Bevölkerung: 66 Prozent der Bundesbürger halten es für "eher falsch", kriminelle ausländische Jugendliche in den Mittelpunkt des Wahlkampfs zu stellen, ergab eine Umfrage ausgerechnet für die Bild am Sonntag !

Besonders die Süddeutsche Zeitung geht streng mit dem Unionswahlkampf ins Gericht. Heribert Prantl kritisiert unter der Überschrift „Helden und Maulhelden“ die bisherigen Anstrengungen des hessischen Ministerpräsidenten auf dem nun beanstandeten sicherheitspolitischen Feld: De facto habe Koch in seinem Land „jeweils mehr als hundert Stellen im Strafvollzug und in der Justiz abgebaut“, ferner der Jugend- und Gefangenenhilfe Zuschüsse gestrichen. „In Hessen stehen Jugendliche wochenlang auf Warteliste, bis sie den Arrest antreten müssen“, schreibt Prantl. Nicht das Gesetz müsse verändert, sondern seine Praxis verbessert werden. Da könnte Koch mit gutem Beispiel vorangehen.

Noch schärfer formuliert Stefan Braun, ebenfalls in der Süddeutsche Zeitung . Braun kritisiert nicht Koch, von dem sei man ohnehin nichts anderes gewohnt; Braun ist enttäuscht von der Bundeskanzlerin, die sch hinter Koch gestellt und sich damit „zum ersten Mal dem Rausch einer politischen Kampagne“ ergeben habe. Dass Merkel Koch unterstützt, widerspreche ihrer bisherigen, „in der Gesellschaftspolitik betont moderaten Linie. Sie schwächt ihren Integrationsgipfel wie auch Wolfgang Schäubles Islamkonferenz, sie lässt das Motto des jüngsten Parteitags 'Die Mitte' wie billige Taktik erscheinen.“