Amerika liebt seine Mythen. Neben seiner großen Sympathie für Underdogs ist das Aufholen eines Rückstands nicht nur im Sport oder in Hollywood hoch angesehen, auch in der Politik wird es bewundert. Ex-Präsident Bill Clinton wurde einst „ Comeback Kid “ genannt, so nun auch die beiden Gewinner der Vorwahlen in New Hampshire: Clintons Frau Hillary und der Republikaner John McCain .

Bei den Vorwahlen von Iowa konnten beide Kandidaten nicht glänzen: Clinton ließ sich den ersten Rang vom aufstrebenden Barack Obama ablaufen, der daraufhin zum Medienhype „Obamania“ gemacht wurde, ein scheinbar unbezwingbarer Selbstläufer direkt ins Weiße Haus. John McCain schien schon abgeschrieben, nachdem ihm im Wahlkampf das Geld ausging und er dazu in Iowa kläglicher Vierter wurde.

Wie konnte Clinton der Erfolg in New Hampshire gelingen? Der hohe Anteil an Frauen, die ihre Stimme abgaben, kam ihr jedenfalls zugute. Während Barack Obama bei den unabhängigen Wählern punktete, war Clinton bei den registrierten Wählern hoch überlegen. Auch die kurzfristig Entschlossenen, in Iowa noch die wichtigste Wählerschaft des Senators aus Illinois, bevorzugten ihn dieses Mal nicht in großem Maße. Bei den Geringverdienern schnitt Clinton besser ab, genau diese Bevölkerungsgruppe, bemerkt das Wall Street Journal spitzbübisch, werde in den kommenden Vorwahlen wichtiger. So müsse man abwarten, ob der „Redner von Illinois“ auch Schläge einstecken könne.

Den intensiven und aggressiven Wahlkampf Clintons in New Hampshire sieht die New York Times als Grund für ihren Sieg. Sie habe immer wieder dargestellt, wie viel wertvoller ein erster weiblicher gegenüber einem ersten schwarzen Präsidenten sei. Für den San Franscisco Chronicle liegen die Gründe anders: Eine „verletzliche und menschliche Hillary“ sei es gewesen, die die Wähler auf ihre Seite gezogen habe, darunter auch die jüngsten Tränen . Nicht so sehr ihr zunächst steifes und eher emotionslose Auftreten sei das Problem, meint die Los Angeles Times , sondern Präsident Bush. So sehr habe sich es der jetzige Präsident mit den Wählern verscherzt, dass diese sich eher vom erfahrenen, politischen Establishment abwenden und eine unverbrauchte Kraft als Präsidenten bevorzugten. So werde mit Obama die Zukunft verknüpft, mit Clinton die Vergangenheit.

Für die Dallas News ist Obama jemand, in den man sich verliebt, während Clinton die Verlässliche darstellt, die man heiraten möchte. So werde sie Obama im Charisma nicht übertrumpfen können, aber rein rhetorisches Talent reiche eben nicht aus. Zufrieden ist die Washington Post , dass das Rennen der Demokraten nicht vorentschieden ist, kommt es so auf noch mehr Wähler an. Schließlich stimmten die Positionen von Clinton und Obama zwar weitgehend überein, dennoch eröffne der Kontrast zwischen ihrer Erfahrung und seiner Inspiration wichtige Debatten.

Und der Republikaner McCain? Schon bei den Vorwahlen 2000 gewann er den Staat New Hampshire, die Popularität dort scheint ungebrochen. Der Senator aus Arizona braucht den Erfolg, um wieder Schwung in seine versandete Wahlkampfunterstützung zu bringen, schreibt das Online-Magazin www.politico.com . Er müsse hoffen, dass das konservative Establishment zu ihm halte, in der Vergangenheit fehlte diese Unterstützung oft. McCain brauche vor allem ein innenpolitisches Programm, urteilt die New York Times . Bislang sei er überwiegend durch seine Haltung zum Irakkrieg aufgefallen. Doch eines habe der Sieg in New Hampshire nun gezeigt: „Zu hart zum Sterben“ sei er, wie das Online-Magazin www.slate.com titelt.