Eigentlich sind die Angeklagten längst zu Randfiguren geworden. Im Prozess um die VW-Affäre gegen Ex- Betriebsratschef Klaus Volkert und den früheren Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer ist eine andere heikle Frage in den Mittelpunkt gerückt: Was wusste Ferdinand Piëch? An diesem Mittwoch hatte die zentrale Figur bei Volkswagen gezwungenermaßen einen großen Auftritt - vor dem Landgericht Braunschweig musste der frühere Konzernboss und heutige Aufsichtsratschef als Zeuge aussagen.

Er hat eine Mitwisserschaft in der VW-Affäre um Untreue und Lustreisen auf Firmenkosten bestritten. Piëch sagte am Mittwoch aus, er habe von Unregelmäßigkeiten nichts gewusst. "Wäre es mir zu Ohren gekommen, hätte ich es vehement verfolgt und abgestellt." Piëch sagte, er habe zu seiner Zeit als Vorstandschef "zu keinem Zeitpunkt" Kenntnis von einem Missbrauch von "Vertrauensspesen" durch Betriebsräte gehabt. Er habe zudem nichts von Sonderbonuszahlungen an den angeklagten Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert gewusst.

Es könne zwar sein, dass ihn Volkert darauf angesprochen habe, dass er besser bezahlt werden wolle. Konkrete Zusagen an Volkert habe er aber zu keinem Zeitpunkt gemacht, sagte Piëch. Dies sei auch nicht in seinen Zuständigkeitsbereich gefallen. Für die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat sei der damalige Personalvorstand Peter Hartz zuständig gewesen.

Hartz hatte bei seiner Zeugenaussage Piëch entlastet und eigene Schuld eingestanden. Volkert ist wegen Anstiftung zur Untreue angeklagt. Er soll Hartz dazu angestiftet haben, ihm Sonderboni in Höhe von rund zwei Millionen Euro zu zahlen.

Piëch sagte außerdem, er habe keinerlei Anlass gehabt, sich mit dem Konto "1860" zu beschäftigen. Dieses sei eines von 6000 oder 7000 Konten bei VW gewesen. Über das Konto "1860" wurden ohne Kontrolle von dem angeklagten Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer etwa Lustreisen auf Firmenkosten ohne jede Kontrolle bezahlt.

Für Wirbel hatte Ende November allerdings die Staatsanwaltschaft gesorgt. Sie führte aus, nach Aussagen eines unbekannten Informanten könnte Piëch doch von Unregelmäßigkeiten bei VW gewusst haben. Der Informant habe gesagt, der ehemalige VW-Finanzvorstand Bruno Adelt könnte Piëch auf die ominöse Kostenstelle "1860" angesprochen haben - wegen der "Belastungen" dieses Sonderkontos.