Das Gummiband ist gespannt. Über drei Jahre mussten die Gewerkschaften im Öffentlichen Dienst eine Zumutung nach der nächsten schlucken: Mehrarbeit, dürftige Lohnabschlüsse, harte Sparpläne im öffentlichen Sektor. Mit jedem Jahr spannte sich das Gummiband weiter. Jetzt könnte es zurückflitschen.

Am Donnerstag werden ver.di und der Deutsche Beamtenbund erstmals über einen neuen Tarifvertrag im Öffentlichen Dienst verhandeln. Es geht um die Löhne und Gehälter von 2,1 Millionen Mitarbeitern beim Bund und den Kommunen sowie um jene von 660.000 Beamten. Acht Prozent mehr Lohn fordern die Gewerkschaften, mindestens jedoch 200 Euro. Das, sagt der Vorsitzende Beamtenbundes, Peter Heesen, sei „bescheiden“, schließlich hätten die Bundestagsabgeordneten im Herbst ebenfalls eine Diätenerhöhung von 9,4 Prozent gebilligt, verteilt auf zwei Jahre. Die Opfer, die der Öffentliche Dienst zuletzt zur Sanierung der Staatsfinanzen erbracht habe, verdienten mehr „als ein verbales Dankeschön“, meint Heesen.

Es sind hitzige Argumente, die die Gewerkschaften ins Feld führen, aber sie treffen einen Nerv. Quer durch die Republik wächst die Forderung nach höheren Löhnen und einer stärkeren Beteiligung der Arbeitnehmer am Aufschwung. Rückenwind kommt aus der Politik. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, nannte die Forderung der Gewerkschaft nach 200 Euro mehr Gehalt „angemessen“. Auch der Bundesfinanzminister, um dessen Budget schließlich mitverhandelt wird, zeigte sich öffentlich besorgt: „Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war die Entwicklung der Lohneinkommen über einen so langen Zeitraum so schwach", sagte Peer Steinbrück (SPD). Das preisbereinigte Einkommensniveau liege heute sogar noch 1,3 Prozent unter dem des Jahres 1991.

Für die Gewerkschaften Grund genug, mit allen Konsequenzen zu drohen. „Wir holen nicht direkt die Streikfahnen raus. Aber leider deutet vieles auf einen harten Arbeitskampf hin. Die Gräben sind schon sehr tief“, sagte DBB-Verhandlungsführer Frank Stöhr. Ver.di-Vorstandsmitglied Achim Meerkamp machte klar, dass man dazu bereit sei, „mit den Arbeitgebern bundesweit heftig zu streiten“.

Streit wird es geben, denn auch auf der Arbeitgeberseite zeigt man sich unnachgiebig. So sagte der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA): „Wenn die Gewerkschaften den Abbau von Arbeitsplätzen und das Outsourcing von Leistungen und Firmen beschleunigen wollen, dann müssen sie an dieser Forderung festhalten.“