Wenige Tage vor dem Beginn der Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst zeichnet sich eine harte Gangart der Gewerkschaften ab. Der Vorsitzende der zum Beamtenbund gehörenden dbb Tarifunion, Frank Stöhr, schloss auch längere Streiks nicht aus, insbesondere bei der Müllabfuhr und im Nahverkehr. "Finanziell sind wir gut aufgestellt. Wir können so lange wie nötig streiken", sagte Stöhr in der Freitagsausgabe der Berliner Zeitung .

Zuvor hatte auch schon die Gewerkschaft ver.di mit einem Arbeitskampf gedroht. Die Tarifverhandlungen für insgesamt 1,3 Millionen Beschäftigte des Bundes und der Kommunen beginnen am 10. Januar in Potsdam. Ver.di und die dbb Tarifunion, die erstmals gemeinsam verhandeln, fordern acht Prozent mehr Einkommen oder einen Mindestbetrag von 200 Euro.

Der Städte- und Gemeindebund wies die Gehaltsforderungen als kurzsichtig und überzogen zurück, weil damit Arbeitsplätze vernichtet würden. In der Neuen Osnabrücker Zeitung forderte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg die Arbeitnehmervertreter auf, vom geforderten Lohnzuwachs von acht Prozent abzurücken. "Das würde die Kommunen sieben Milliarden Euro pro Jahr kosten. Das ist nicht finanzierbar und erhöht den Druck, das Personal immer mehr zu verringern." Je höher der Abschluss sei, "umso größer der Zwang, Aufgaben an private Dienstleister zu vergeben. Das kann ver.di nicht wirklich wollen."

Nach Landsbergs Angaben haben die Kommunen allein im Vorjahr 15 000 Beschäftigte abgebaut. Landsberg wies darauf hin, dass auch Leistungseinschränkungen zum Beispiel bei Kindergärten oder im Jugendschutz möglich seien.

"Völlig überzogen" nannte der Städtebund- Hauptgeschäftsführer die Forderungen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, die eine weitere Gehaltssteigerung von acht bis 14 Prozent für Mediziner in kommunalen Krankenhäusern verlangt. Nach Landsbergs Worten wäre Jobabbau bei anderen Beschäftigten im Krankenhaus die Folge. Letztlich gefährdeten die Forderungen der Gewerkschaft das Überleben kommunaler Krankenhäuser und damit die Grundversorgung in ländlichen Regionen.