Angesichts der letzten Umfragen bereiten sich die Berater von Hillary Clinton in New Hampshire auf eine zweite Niederlage im Vorwahlkampf vor. Als seien fünf Tage schlicht nicht genug gewesen, um den enormen Aufwind zu stoppen, den Obama durch seinen Sieg in Iowa gewonnen hat. Stattdessen, schreibt die Washington Post , ginge es Hillarys Helfern nun darum, Obamas Vorsprung gering zu halten – und sofort nach den Wahlen mit neuer Kraft zu starten, „in der Hoffnung, bis zum 5. Februar lebendig zu bleiben“. An jenem Tag, dem „Super Tuesday“, haben einige der größten amerikanischen Staaten ihre Vorwahlen.

Der Tag nach New Hampshire könnte für Clintons Kampagne schmerzhaft sein. Für die Demokraten folgen die Wahlen in South Carolina am 26. Januar, wo die Afro-Amerikaner unter der Wählerschaft besonders ins Gewicht fallen werden. Die Chancen stehen gut, dass Obama diese Klientel für sich mobilisieren kann – und mit jedem Staat, in dem er gewinnt, erhöhen sich die Chancen auf seine endgültige Nominierung als Demokratischer Präsidentschaftskandidat. „Der psychologische Kampf könnte sich als der am härtesten zu gewinnende von allen herausstellen“, schreibt die New York Times dazu. Dieser Wahlkampf sei von einem enormen Maß persönlicher Unsicherheiten geprägt, zitiert sie einen Republikanischen Funktionär.

Wer liefert ein anschaulicheres Beispiel für diesen Druck als zuletzt Hillary Clinton? Es ist nicht mal eine Woche her, dass der Vorwahlkampf in den USA in seine heiße Phase ging – doch schon am vergangenen Montag wirkte die ehemalige Favoritin bei Fernsehauftritten ausgelaugt. Auf ABC News schlug sie sentimentale Töne an und sprach über die Strapazen des Wahlkampfs. Keine vielversprechende Taktik, um Obama beizukommen, der mit seinem Elan und seiner Leidenschaft als der menschlichere Kandidat gegen Clinton punkten konnte, die sich bisher als die erfahrenere, beherrschte und vernünftigere Kandidatin verkaufte und damit zunehmend antiquiert wirkte.

Auch wenn es derzeit so wirkt, als könne der Vorwahlkampf innerhalb von 24 Stunden entschieden werden – in den nächsten Wochen bis zum „Super Tuesday“ wird es noch wesentlich komplizierter werden, schreibt die New York Times weiter. Zum einen ist ein stärkerer Einfluss unterschiedlicher Interessengruppen zu erwarten. Verglichen mit den ländlichen, überwiegend weißen Staaten Iowa und New Hampshire sind die nächsten Stationen des Vorwahlkampfs von kulturellen Unterschieden und einer heterogen Wählerschaft geprägt. „Es kündigt sich ein verstärkter Fokus auf alltägliche, wirtschaftliche Fragen an und nachlassende Aufmerksamkeit für die eher esoterische Diskussionen über eine politische Neuordnung“, so John Harwood in der New York Times . Während Obama wohl die afro-amerikanischen Wähler im Süden Amerikas für sich begeistern kann, bleibe die Frage, ob Clinton den beachtlichen Zuspruch aufrechterhalten könne, den sie derzeit von Einwanderern aus Südamerika erfährt.

Auch wird der Wahlkampf geografisch unübersichtlicher. Konzentrierten sich die Kandidaten bisher im Wesentlichen auf Wahlkampfveranstaltungen in Neu-England und dem Mittleren Westen, gilt es ab Mittwoch, Staaten wie Michigan im Norden, Florida und South Carolina im Südosten und Nevada im Westen des Landes zu bespielen – bevor es zum „Super Tuesday“ noch hektischer quer über den nordamerikanischen Kontinent geht.