Im Wahlkampf war der junge schwarze Senator Barack Obama stets mit ausgesuchter Bescheidenheit aufgetreten, doch in der Nacht zum Freitag konnte er seinen Triumph einfach nicht mehr zurückhalten. "Die Zeit ist gekommen", sagte er immer wieder, seine Anhänger gerieten völlig aus dem Häuschen. 38 Prozent der demokratischen Stimmen bei der ersten Kandidaten-Kür im US-Präsidentschaftswahlkampf, selbst Optimisten hatten so einen klaren Sieg nicht erwartet. "Die Zeit ist gekommen" - der 46-Jährige brauchte gar nicht eigens zu sagen, was er damit meinte. Es geht um die Frage, ob erstmals in der Geschichte ein Schwarzer ins Weiße Haus einziehen könnte. Für Obama ist die Frage seit Iowa entschieden.

Dabei war sein Sieg bei den Vorwahlen in Iowa eher knapp vor seinen Parteikollegen John Edwards und Hillary Clinton. Der republikanische Ex-Gouverneur Huckabee ließ den zweitplatzierten Republikaner Mitt Romney viel deutlicher hinter sich. Es war die Nacht der Überraschungssieger, auch mit einem so klaren Sieg Huckabees hatte so kaum jemand gerechnet.

Noch vor ein paar Monaten meinten Spötter unter den Washingtoner Kommentatoren, "wer einen lustigen Namen hat", könne nicht Präsident werden. Zeitweise hieß es schon, Huckabee wolle vorzeitig ausscheiden. In dieser Nacht triumphierte auch er. Überschwänglich deutete er auf seine Frau und meinte: "Sie wird eine wunderschöne First Lady". Doch das war in der "Nacht von Iowa". Ob Huckabee, der noch vor ein paar Jahren dafür war, Aids-Kranke in Lagern zu isolieren, in den ganzen USA auf so große Unterstützung stößt, ist mehr als fraglich.

"Sie haben gesagt, dass dieser Tag niemals kommen würde", sagte Obama vor Tausenden jubelnden Anhängern. "Sie haben gesagt, dass dieses Land zu zerstritten ist, zu desillusioniert, um jemals zu einem gemeinsamen Ziel zusammenzufinden." Die Wähler in Iowa hätten es den Zynikern gezeigt. Getragen wurde Obamas Sieg durch ein Rekordwahlbeteiligung bei den Demokraten: An den Urwahlen der Partei nahmen 220.000 Wähler teil, deutlich mehr als bei dem bisherigen Rekord von 2004, damals kamen 124.000 Demokraten zum Caucus.

Obama, der Sohn eines Kenianers und einer weißen US-Bürgerin, gewann in einem Bundesstaat, in dem weniger als drei Prozent der Bevölkerung Schwarze sind. Mit seinem Sieg setzt er insbesondere seine demokratische Senats-Kollegin Clinton unter Druck, bei der nächsten Vorwahl am Dienstag in New Hampshire zu gewinnen. Sie galt Beobachtern noch vor einigen Monaten als sichere Kandidatin der Demokraten. "Wir haben immer gesagt, das unser Wahlkampf auf das ganze Land ausgerichtet ist", sagte Clinton.

Der Republikaner Huckabee sprach von einem neuen Tag in der US-Politik. "Heute haben wir bewiesen, dass die amerikanische Politik noch in den Händen von Leuten wie Ihnen liegt", erklärte er in Des Moines. Der Baptistenprediger stützte sich unter anderem auf einen großen Anteil tiefgläubiger Wähler in Iowa. Er hatte deutlich weniger Geld für den Wahlkampf zur Verfügung als Ex-Gouverneur Romney. Dieser sagte zu dem Ausgang, das Spiel habe gerade angefangen. Am Ende werde er gewinnen.