In der Weltwirtschaft und auf den Weltfinanzmärkten verschieben sich die Gewichte – in einem Umfang und einem Tempo, dass einem der Atem stockt. Und die Veränderungen kennen nur eine Richtung: von West nach Ost, von Europa und Amerika nach Asien.

Wie ein Brandbeschleuninger, der diese Entwicklung weiter anfacht, wirkt die Krise auf dem US-Immobilienmarkt. Mehrere amerikanische, aber auch europäische Großbanken haben sich mit ihrem leichtsinnigen Kredithandel in ernste Schwierigkeiten gebracht. Citigroup, Merrill Lynch, Morgan Stanley und UBS brauchen dringend frisches Kapital. In ihrer Not suchen (und finden) sie Hilfe ausgerechnet bei jenen Staatsfonds, vor deren Zugriff westliche Politiker eben noch gewarnt haben.

Vor allem aus Singapur, Abu Dhabi, Kuwait und Saudi Arabien fließt das Geld. Aber auch die staatliche China Investment Company kauft sich ein, mit fünf Milliarden Dollar bei der US-Investmentbank Morgan Stanley. Die Finanzkraft der Volksrepublik China ist gewaltig. Der Aktienmarkt ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Von den fünf größten Banken der Welt haben heute drei ihren Sitz in China.

Die Chinesen wissen kaum noch, wohin mit ihren riesigen Devisenreserven von mittlerweise rund 1400 Milliarden Dollar. Eine Beteiligung an einer Großbank scheint ihnen da eine lukrativere Anlage zu sein als der weitere Kauf von US-Staatsanleihen.

Begibt sich der Westen auf diese Weise in eine einseitige Abhängigkeit von asiatischem oder arabischem Staatsgeld – finanziell, aber auch politisch? Oder führt die gegenseitige Verflechtung der Volkswirtschaften im Gegenteil zu größerer Stabilität, weil jede Seite Interesse am Wohlergehen der anderen hat?

Schon ist von einer neuen Systemkonkurrenz die Rede, von einer Herausforderung der liberalen westlichen Gesellschaften durch einen „autoritären Kapitalismus“ chinesischer oder auch russischer Prägung. So heißt es in einem kürzlich von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vorgelegten Strategiepapier zur Asienpolitik: „Mit China steigt ein undemokratischer, nichtliberaler Staat in der weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Hierarchie auf, der sich zudem – in Konkurrenz zum Westen – zu einem eigenen ordnungspolitischen Modell für andere Staaten entwickelt.“