Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat der Bild -Zeitung mal wieder ein Interview gegeben. Diesmal geht es nicht um kriminelle Ausländerkinder. Koch warb für eine zweite Amtszeit des amtierenden Staatsoberhaupts Horst Köhler: "Ich fände es prima, wenn er sich erneut zur Wahl stellen würde", sagte Koch. Köhler gebe Politik und Gesellschaft wichtige Denkanstöße, erfreue sich großer Beliebtheit in Deutschland und hohen Ansehens in aller Welt. Noch bei der letzten Bundespräsidentenwahl 2004 hatte Koch sich für Wolfgang Schäuble starkgemacht, der Köhler letztlich den Vortritt lassen musste.

Auch führende CSU-Politiker sprachen sich für fünf weitere Köhler-Jahre aus. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte: "Deutschland fährt sehr gut mit ihm als Bundespräsident." Er wisse nicht, was einer zweiten Amtszeit entgegenstehen sollte.

Die Union stellt nach jetzigem Stand die meisten Vertreter in der Bundesversammlung, die den Präsidenten wählt. Köhler war 2004 als Kandidat von Union und FDP Staatsoberhaupt geworden. Seine Amtszeit endet im Mai 2009. Köhler will sich ein Jahr vor dem Ende seiner ersten Amtszeit, also erst in einigen Monaten, über seine weiteren Pläne äußern.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle, in dessen Wohnung Merkel, Stoiber und er im Frühjahr 2004 die Personalie Köhler ausgeheckt hatten, mahnte, Köhler nicht in die laufenden Wahlkämpfe hineinzuziehen. Der Bundespräsident leiste "eine großartige Arbeit für unser Land". Gerade deswegen "sollten wir alle die Würde seines Amtes und seine Souveränität respektieren und ihn aus den laufenden Wahlkämpfen heraushalten".

Auffällig verhalten reagierte am Dienstag die SPD. Kein Kommentar zu Köhler kam zunächst aus dem Willy-Brandt-Haus. Die sozialdemokratische Ausgangslage in der Präsidenten-Causa ist allerdings auch heikel: Selbst wenn die Union in den nächsten vier Landtagswahlen bis zur Bundespräsidentenwahl an Stimmen und somit an Wahlmännern in der Bundesversammlung verlieren sollte, ist nicht davon auszugehen, dass die SPD 2009 allein mit den Grünen (und eventuell der Linkspartei) einen eigenen Kandidaten ins Amt heben kann.

Insofern wird das Verhalten der Sozialdemokraten im Mai 2009 eine entscheidende Signalwirkung für die nur wenige Monate später stattfindende Bundestagswahl haben. Setzt die SPD auf eine rot-rot-grüne Koalition? Dafür bräuchte es schon einen sehr überzeugenden Kandidaten. Oder setzt sie auf eine Verlängerung der Großen Koalition und wählt Köhler mit für eine zweite Amtszeit? Letzte Möglichkeit wäre das Schielen auf eine Ampelkoalition mit einem Kandidaten oder einer Kandidatin, der oder die auch für die Liberalen akzeptabel wäre. Aber warum sollte Westerwelle "seinen" Präsidenten, der schon 2005 die schwarz-gelbe Wende einläuten sollte und der seinerzeit heftig für entsprechende Reformen trommelte, nun fallen lassen?

Bei der Bevölkerung erfreut sich Köhler, wie alle seine Amtsvorgänger, einer großen Beliebtheit. Nach einer Umfrage aus dem August vorigen Jahres wollen 78 Prozent der Bundesbürger Köhler auch über das Jahr 2009 hinaus im Berliner Amtssitz Schloss Bellevue sehen. Mal schauen, wie er sich entscheidet.