Normalerweise sind es die Praktiker, die einfache Lösungen anbieten, während die Theoretiker zu Überkompliziertem neigen. Anders an den Finanzmärkten: Dort werfen die Praktiker der Banken und Versicherungen immer komplexere und undurchsichtigere Produkte auf den Markt, die nur allzu oft die hochgesteckten Renditeerwartungen nicht erfüllen. Die Theoretiker an den Universitäten scheinen hingegen die Einfachheit neu zu entdecken. Sie raten immer häufiger zum Verzicht auf komplexe Anlageformen.

Zu Beispiel Friedrich Thießen. Der Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Chemnitz propagierte unlängst mit seinen 11 neuen Regeln zur Anlage von Geld die Rückkehr zu einfachen Anlageformen. Dabei rückt er einige stets als gegeben hingenommene Aussagen in ein neues Licht. So meint Thießen, dass die Portfoliooptimierung nach Markowitz bei der aktuellen Marktlage zu prozyklischen Anlagen statt zu einer besseren Risikoverteilung führt. Außerdem hält er die als "Beimischung" angebotenen riskanteren Anlageprodukte zumeist für wenig sinnvoll. Das Zusatzrisiko sei zu stark mit dem Grundrisiko einer breit gestreuten Aktienanlage korreliert.

Anderes ist wiederum nicht neu. Etwa die Empfehlungen, keine modischen Anlageprodukte zu kaufen, bei der Indexanlage nur auf Indizes mit langer Historie zu setzen, komplexe Strategien zu meiden. Oder nicht in Finanzprodukte zu investieren, deren Funktionsweise man nicht voll und ganz verstehen kann.

In seinen Thesen dampft Thießen das Anlageuniversum auf Aktien, Anleihen und Bankeinlagen ein und bricht eine Lanze für die klassischen Sparprodukte, die zwar relativ niedrige Zinsen bringen, dafür jedoch mit keinen Nebenkosten verbunden sind und hohe Sicherheit bieten.

Auch wenn die "neuen Regeln" teilweise schon oft Gehörtes und Gelesenes enthalten, sind sie als nützliche Lektüre empfehlenswert. Auf drei Seiten erhält der Leser in knapper und verständlicher Form Entscheidungshilfen, die sich in den meisten finanziellen Lebenslagen anwenden lassen.

Wer die Gedanken Thießens konsequent weiterspinnt, kommt zu dem Schluss, dass die allermeisten Finanzprodukte überflüssig sind. Die ganze Welt der Zertifikate ist für den Einfach-Investor ohne Belang. Weil ohnehin nur rund ein Fünftel der aktiv gemanagten Aktienfonds langfristig den Durchschnitt schlägt, wird der Aktienanteil des Gesamtvermögens einfach mit ein paar Indexfonds abgedeckt. Dazu noch ein paar risikoarme Anleihen, Banksparpläne und Tagesgeld – und fertig ist der Vermögensmix.