In Potsdam beginnen an diesem Donnerstag die Tarifverhandlungen für die rund 1,3 Millionen Angestellten bei Bund und Kommunen. Verdi-Chef Frank Bsirske bekräftigte die Forderung nach acht Prozent mehr Einkommen. „Wir brauchen eine deutliche und spürbare Erhöhung“, sagte Bsirske am Donnerstag im Deutschlandfunk. Seit Jahren hätten die Beschäftigten im öffentlichen Dienst einen Reallohnverlust verzeichnet. „Jetzt muss mehr Geld in die Taschen der Beschäftigten." Damit werde auch die Kaufkraft gestützt. Verdi und der Deutsche Beamtenbund (DBB) fordern acht Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro pro Monat.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund dagegen warnte vor einem hohen Lohnabschluss und einem weiteren Stellenabbau. Die Forderung sei „völlig überzogen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, der Bild -Zeitung. Er sprach sich dagegen für längere Arbeitszeiten aus. Dies lehnte Bsirske umgehend ab: „Längere Arbeitszeiten sind völlig kontraproduktiv in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit.“ Jede Arbeitszeitverlängerung führe vielmehr dazu, dass Stellen gestrichen würden.

Auch der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes (DBB), Peter Heesen, wies die Aussagen von Landsberg scharf zurück. „Wenn sich die Abgeordneten 9,4 Prozent genehmigen, sind acht Prozent geradezu bescheiden“, sagte er der Bild . Neben Heesen hatten zudem mehrere Arbeitnehmervertreter Streiks in Aussicht gestellt, sollten die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern nicht zügig vorankommen.

Im Mittelpunkt der letzten Tarifrunde 2005 stand ein völlig neues Tarifrecht. Der veraltete und unübersichtliche Bundesangestelltentarif (BAT) und der Tarifvertrag für die Arbeiter wurden durch den neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) abgelöst, der flexiblere Arbeitszeiten und Elemente einer Leistungsbezahlung einführte. Die Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten wurde aufgehoben.

Die Länder waren damals aus dem Tarifverbund der öffentlichen Arbeitgeber ausgeschert und schlossen ein Jahr später den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) ab, der sich in großen Teilen am den TVöD orientierte. Im TV-L war bereits 2006 eine Gehaltsanhebung für die Angestellten der Länder von 2,9 Prozent ab 1. Januar 2008 vereinbart worden. Angesichts der Wirtschaftsentwicklungen sehen die Gewerkschaften darin aber keine Vorgabe für die Verhandlungen für Bund und Kommunen.

Die Gewerkschaften haben bereits mit Arbeitskampf gedroht, um ihre Forderungen durchzusetzen. Zu ersten Warnstreiks könnte es noch während der Verhandlungen kommen. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Tarifkonflikt in die Schlichtung gehen wird.