Wenig wollte Vikram Pandit von seinen Plänen verraten, als er im Dezember zum Chef der Citigroup - der nach Mitarbeitern und Filialen größten Bank der Welt - ernannt wurde. Nur so viel: Die Dividende sei nicht in Gefahr. Damit wollte er zumindest jene Investoren bei Laune halten, die trotz des halbierten Aktienkurses seit Anfang 2007 dabeigeblieben sind.

Doch nichts ist mehr sicher an der Wall Street. Wenn die Citigroup am Dienstag ihre Quartalszahlen präsentiert, rechnen manche Beobachter schon mit einer Halbierung der Ausschüttung, weil die Bank vermutlich noch einmal mehr als 10 Milliarden Dollar abschreiben muss.

Das Ausmaß der Krise übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Kleinanleger und selbst vieler Bankenchefs. 100 Milliarden Dollar, hat die Deutsche Bank zusammengezählt, kostete der Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes, an dem vor allem die Wall-Street-Häuser dank kreativer Produkte kräftig mitverdient haben. Das sind nur die Abschreibungen in den Bankbilanzen. Längst warnen Analysten auch vor gestiegenen Finanzierungskosten und Ausfällen im lukrativen Geschäft mit Kreditkarten. Die Anbieter Visa, Mastercard und American Express rechnen schon mit sinkenden Erträgen.

Dennoch sind die Kurse einiger Banken zuletzt wieder angestiegen, darunter auch die besonders betroffene Citigroup und die Investmentbank Merrill Lynch. Letztere präsentiert ihre Quartalszahlen zwei Tage nach der Citigroup und hat ebenfalls Schwierigkeiten, ihre Abschreibungen aufzuaddieren. Erst war von rund 8 Milliarden Dollar die Rede. Nun könnten es laut New York Times sogar 15 Milliarden Dollar werden. In einem Quartal.

Wie können da die Kurse steigen? Die Antwort haben die Bankenchefs in Asien gefunden. Es sind Investoren, die im globalen Kapitalismus eine Zeitenwende einläuten. Noch vor wenigen Monaten bestimmten die Wall-Street-Häuser, in welche Richtung das Geld auf den Finanzmärkten fließt: Rein in die Emerging Markets, nach China oder Indien zum Beispiel. Doch jetzt, wo die Abschreibungen immer größere Löcher in die Bilanzen reißen, sind die Investmentbanken selbst auf Zuwendungen angewiesen und die Vorstandschefs fliegen immer öfter die Flughäfen in Dubai, Peking oder Kuwait an.

Merrill Lynch hat mehr als sechs Milliarden Dollar vor allem von Singapurs Staatsfonds Temasek Holdings eingesammelt, die Citigroup 7,5 Milliarden aus Abu Dhabi bekommen. Auch die UBS hat neue Anteilseigner: 10 Milliarden Dollar gab es von Singapore Investment Corp., nicht zu vergessen Morgan Stanleys 5 Milliarden Dollar von China Investment Corp.