Von der vierten Klasse bis zum Abiturzeugnis müssen die Klassenlehrer auf einer Skala von eins bis vier nun Sozialnoten vergeben. Die dabei zu bewertenden Bereiche sind Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Sorgfalt, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit. Diese Maßnahme erscheint zuerst einmal auch nicht falsch, denn die Schule hat sich verändert. Lehrer stehen immer mehr vor der Aufgabe, nicht nur Wissen, sondern auch soziale Werte zu vermitteln.

Soziales Verhalten wird wieder wichtig. Die Lehrer werden durch die Notenvergabe gezwungen, sich intensiver mit ihren Schülern auseinanderzusetzen, auch mit deren sozialem Umfeld. Zudem können Schüler wie Eltern anhand der Noten die Entwicklung ihrer Kinder nachverfolgen. Kinder lernen dadurch, dass Sozialverhalten wichtig für ihre Persönlichkeit ist und ein positives Verhalten mit guten Noten belohnt wird.

Kopfnoten sollen also in erster Linie motivieren. Wer mitarbeitet, anderen Schülern hilft, stets seine Hausaufgaben erledigt und sich neben der Schule ehrenamtlich engagiert, soll dafür mit einer guten Note im Zeugnis belohnt werden.

Auch die Wirtschaftsverbände in Nordrhein-Westfalen begrüßen deshalb die Einführung der Benimm-Noten. Sie bekommen die Möglichkeit, Bewerber für Lehrstellen auch anhand von Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu vergleichen und auszuwählen.

Nur: Nach welchen Kriterien sollen Lehrer diese Kopfnoten verteilen? Jeder Lehrer muss seine Schüler beurteilen, der Klassenlehrer schlägt dann eine Endzensur für das Zeugnis vor. Das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen hat dazu einen Katalog mit Empfehlungen herausgegeben. Darin wird beispielsweise geraten, die Kooperationsfähigkeit eines Schülers dadurch zu bewerten, ob Leistungen anderer anerkannt und „Höflichkeitsformen situationsangemessen“ beachtet werden.

Jedoch können Schüler im Unterricht zwar gut mitarbeiten, ihre Klassenkameraden auf dem Schulhof aber mobben und verprügeln, ohne das es dem Lehrpersonal auffällt. Das Opfer spricht aus Scham und Angst oft nicht über das, was ihm in der Pause wiederfahren ist, während der Täter sich seinen Lehrern gegenüber vorbildlich verhält und mit guten Kopfnoten rechnen kann.