War's das jetzt? Erschrocken reiben sich die Anleger die Augen, wenn sie die Dax -Kurve betrachten. So tief wie an diesem Montag ist der wichtigste deutsche Aktienindex schon lange nicht mehr gefallen. Während auf Nachrichten-Websites von "nackter Panik ( Sueddeutsche.de ), dem "größten Kursrutsch seit 9/11" ( Spiegel Online ), des Dax "größten Punktverlust seiner Geschichte" ( FAZ.NET ), sogar von "Börsen-Beben" ( Bild.de ) geschrieben wird, raten Börsen-Fachleute und Ökonomen zur Ruhe. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger erwartet zwar, dass die große Börsenkrise erst noch kommen wird, verweist aber gleichwohl auf stabile Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum. Wirtschaftsminister Michael Glos sieht die reale, produzierende Wirtschaft ebenfalls als "nach wie vor in Ordnung" an, EU-Währungskommissar Joaquín Almunia sagte: "Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in Europa sind in Ordnung."

Was also ist los an den Aktienmärkten? Da ist, natürlich, immer noch die geplatzte amerikanische Immobilienblase , deren Folgen längst nicht umfassend erkannt oder beziffert sind und die die Rezessionssorgen in den USA schüren. Immer mehr Mitspieler am Markt für unsichere Hauskredite werden bekannt, immer mehr Geldinstitute müssen Milliardenbeträge abschreiben . Und obwohl die Regierung von Präsident George W. Bush am Freitag ein Konjunkturprogramm in Höhe von 150 Milliarden Dollar angekündigt hat, reichte das nicht aus, um das Vertrauen der Anleger wiederzugewinnen.

Nicht nur Banken geraten durch die Kreditkrise in ernsthafte Schwierigkeiten. Auch amerikanische Versicherer von Anleihen sind betroffen. Da ist zum Beispiel der sogenannte Monoliner Ambac. Ihm hatte die Ratingagentur Fitch am Freitag die gute Note "AAA" genommen und das Unternehmen heruntergestuft. Nun leben Monoliner aber davon, dass sie ihr gutes AAA-Rating an andere Kreditnehmer "ausleihen". Durch die Herabstufung Ambacs droht nun vor allem den amerikanischen Kommunen und Bundesstaaten eine Verschlechterung ihrer Schuld.

Hinzu kamen am Montag schlechte Nachrichten aus der deutschen Bankenszene. Von der WestLB wurde bekannt, dass ihre Verluste und Abschreibungen sich auf zusammen zwei Milliarden Euro belaufen und die Eigentümer der Bank die gleiche Summe zuschießen müssen, um das Institut zu stützen. Weitere Abschreibungen könnten noch nötig werden. Und mit der LBBW muss noch eine weitere Landesbank einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen.

In den kommenden zwei Wochen werden abermals Geldinstitute ihre Zahlen vorlegen und es könnte durchaus sein, dass nach der Hypo Real Estate noch weiteres Ungemach auf die Anleger zukommt. Gerade erst hat die Commerzbank angekündigt, dass sie ebenfalls zusätzliche Abschreibungen verkraften müsse, wenn das Unternehmen auch weiter eine gute Dividende zahlen will. Die Skepsis gegenüber Finanzwerten ist also wohl berechtigt.

Doch rechtfertigt diese Krise einen Ausverkauf aller möglicher Aktien? Conrad Mattern , Verhaltensökonom in München und Kolumnist von ZEIT online , sieht einen weiteren Effekt, der den Druck auf die europäischen Aktienmärkte an diesem Montag erhöht hat. "In Amerika ist Feiertag, das heißt, dort wird nicht gehandelt. Deshalb stürzen sich Amerikaner, die ein internationales Portfolio halten und nach dem Aufstehen sehen, dass die asiatischen Börsen abstürzen, auf die europäischen Märkte und verkaufen hier." Da der Dax im vergangenen Jahr stark gewonnen hat, könnten viele Anleger ihre europäischen Aktien nun mit Gewinn abstoßen. Deshalb steige auch der Dollar im Wert, denn die europäischen Aktien würden von Amerikanern in Dollar umgetauscht.