Aktienmärkte trudeln heftig

Die anhaltende Angst der Anleger vor einer Rezession in den USA hat am Montag den Dax unter 7000 Punkte gedrückt. Der Leitindex fiel um mehr als sieben Prozent auf 6762 Punkte und notierte damit wieder unter dem Niveau vom Sommer vergangenen Jahres. Dies ist der größte Tagesverlust am deutschen Aktienmarkt seit den Anschlägen auf das World Trade Center vor sechseinhalb Jahren.

Zu Wochenbeginn büßten die im Dax gelisteten Unternehmen in der Spitze insgesamt rund 67,5 Milliarden Euro an Börsenwert ein. Dies entspricht dem Bruttoinlandsprodukt der Slowakei. In den Monaten davor hatte sich der Dax von seinem ersten Subprime-Schock erholt und sich in Reichweite seines Rekordhochs von 8151 Punkten vorgearbeitet, das er kurz vor Ausbruch der US-Immobilienkrise im Sommer erreicht hatte. Aktuell liegt der Index mit 6867 Punkten gut 15 Prozent unter seinem Stand vom Jahresbeginn. Der Nebenwerteindex MDax rutschte ebenfalls um 4,7 Prozent auf 8033 Punkte ab, der von Solarwerten dominierte TecDax gab 6,3 Prozent nach.

Auch die anderen europäischen Börsenplätze erlebten große Verkäufe. Der Euro Stoxx 50 der größten europäischen Aktienwerte büßte knapp sechs Prozent auf 3164 Punkte ein. Der Londoner FTSE-100 sank um 3,4 Prozent, der Pariser CAC 40 um 4,7 Prozent. An den Rohstoffbörsen purzelten die Preise für Erdöl oder Kupfer. Die Nordsee-Ölsorte Brent verbilligte sich um mehr als einen Dollar auf 87,73 Dollar je Barrel (159 Liter). Bei den Metallen fiel der Preis für eine Tonne Kupfer auf 6905 Dollar zurück. Viele Investoren flüchteten in Staatsanleihen, die in Krisenzeiten als sicherer Anlagehafen gelten, nachdem Rohöl vielen Anlegern eben noch als sichere Alternative zu den kriselnden Bankenwerten gegolten hatte.

Die Stimmung der Investoren habe inzwischen ein "Panik-Level" erreicht, kommentierten die Analysten von JP Morgan Asset Management. "Eine Rezession in den USA ist schon fast eingepreist, jetzt greift die Angst vor einer Übertragung der Konjunkturabkühlung auf Europa und die Schwellenländer um sich", sagte Fondsmanager Dennis Nacken von Allianz Global Investors.

Aktienmärkte trudeln heftig

"Der Markt gerät in Panik", sagte auch der Aktienexperte Hugues Rialan von Robeco France. Denn die Vertrauenskrise, die bislang weitgehend auf die Banken beschränkt gewesen sei, weite sich auf die Versicherer aus. Am Freitag hatte der US-Anleiheversicherer Ambac seine dringend benötigte Top-Bonitätsnote "AAA" der Ratingagentur Fitch verloren. Dies gefährdet Milliarden von Dollar an Staats- und Unternehmensanleihen, die von Ambac versichert wurden.

"Wenn die Anleihen im Zuge der Anleihenversicherer Verluste erleiden, belastet das auch die Anlagen der Versicherer", sagte ein Händler. In Zürich sackten die Aktien des Rückversicherers Swiss Re zeitweise um rund zehn Prozent ab, genau wie die Allianz-Aktien in Frankfurt und die Titel der ING Groep in Amsterdam.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos versuchte derweil, die Aufregung zu dämpfen. Er sagte, er bleibe trotz des kräftigen Kursrutsches zuversichtlich für die deutsche Wirtschaft. "Es gibt in Deutschland keinen Grund zur Sorge", sagte Glos. Die reale, produzierende Wirtschaft sei "nach wie vor in Ordnung". Dort gebe es keinen Grund für einen pessimistischen Ausblick.

An den Börsen in Asien hatte die Ankündigung eines milliardenschweren Konjunkturprogramms der amerikanischen Regierung ebenfalls keinen Optimismus ausgelöst. Dort waren die Aktienmärkte am Montag abermals ins Rutschen geraten. An der asiatischen Leitbörse in Tokio sackte der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 3,86 Prozent. Er folgte damit dem Preisverfall an den amerikanischen Börsen. Der Dow Jones und Nasdaq-Index hatten im Verlauf der vergangenen Woche rund vier Prozent verloren und auch am Freitag im Minus geschlossen. Am Montag wird an den US-Börsen wegen eines Feiertags nicht gehandelt. Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für Asien.

Die Börse in Hongkong musste am Montag den schwersten prozentualen Verlust innerhalb eines Tages seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA einstecken. Der Hang Seng Index brach um 5,49 Prozent ein.

Aktienmärkte trudeln heftig

In China sackte der Shanghai Composite Index um 5,14 Prozent ab. Das war Angaben staatlicher Medien zufolge der bisher schwerste Kurssturz seit sechs Monaten. Der Composite Index der kleineren Börsen im südchinesischen Shenzhen fiel bei Handelsschluss um 4,62 Prozent. Chinas Anleger befürchten, dass neue Wachstumszahlen, die am Donnerstag veröffentlicht werden sollen, wieder Schritte der Regierung in Peking nach sich ziehen könnten, mit denen China die Wirtschaft abkühlen könnte.

In Indien rutschte der Sensex um 3,6 Prozent ab, der Kospi-Index der koreanischen Börse in Seoul verlor 3 Prozent. Abermals große Verluste gab es auch in Indonesien mit 4,79 Prozent, in Singapur rutschte der Straits Time Index sogar um 6,03 Prozent. Auch in Australien fiel der All Ordinaries Index nochmals um 2,3 Prozent.

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