Tokio ist ein Glied in der Kette der globalisierten Finanzmärkte , ein wichtiges Glied. Die vom amerikanischen Hypothekenmarkt ausgehende Finanzkrise lässt auch die Tokioter Börse nicht ungeschoren. Der Nikkei-Index und der Topix verzeichneten allein am 22. Januar Einbußen von mehr als 5 Prozent. Als der Nikkei-Index vor zwei Wochen weniger als 14.000 Punkte zählte, war das schon ein Schlag. Am 22. Januar schloss die Börse bei 12.573 Punkten. Seit die Börse im neuen Jahr am 4. Januar wieder öffnete, gab es nur drei Tage lang, vom 16. bis zum 18. Januar, eine kurze Atempause. Im Übrigen bewegten sich die Kurse nahezu im freien Fall. Seit dem 18. Januar verlor der Index mehr als 1000 Punkte.

Für Wirtschaft und Politik ist das gleichermaßen prekär. Gerade hatte sich die Konjunktur so weit erholt, dass sich die Banken Hoffnung machten, endlich vom Null-Zinsniveau wegzukommen. Man sprach in Bankenkreisen sogar schon von einer Zinserhöhung. Auch die Arbeitgeberverbände zeigten sich mutig und empfahlen für die bevorstehenden Tarifverhandlungen im Frühjahr Lohnerhöhungen. Um den Kaufkraftschwund auszugleichen und die Binnennachfrage anzukurbeln, sei eine deutliche Zulage nicht nur der Sonderzuwendungen, sondern auch der Löhne erforderlich. Sowohl der Optimismus der japanischen Zentralbank als auch die Bereitschaft der Firmen, für die Löhne etwas tiefer in die Tasche zu greifen, haben durch die schlechte Börse einen deutlichen Dämpfer erhalten.

Dass auch die Finanzmärkte in Schanghai, Seoul und Hongkong starke Kurseinbrüche verzeichneten, wertet die Regierung in Tokio als Zeichen dafür, dass nicht die japanische Wirtschaft schwächelt, sondern allein die Börse nicht vor der globalen Baisse geschützt sei. Das ist jedoch ein schwacher Trost, wenn Kapital vernichtet und der Konsum weiter geschwächt wird. Im Umkreis von Tokio ist der Immobilienmarkt eingebrochen, und die Nachrichten von der Börse rufen Erinnerungen an die schwarzen Tage des Platzens der Seifenblase Anfang der neunziger Jahre wach. Die damit begonnene langwierige Rezessions-Stagnation hoffte man hinter sich zu haben. Vergessen hat sie noch niemand.

Premierminister Yasuo Fukuda und Zentralbankgouverneur Toshihiko Fukui strahlen in ihren Presseerklärungen zwar etwas krampfhaft Gelassenheit aus. Aber Analysten rechnen damit, dass eine Erholung der Aktienkurse auf den Stand vom Jahresende, als der Nikkei-Index bei 153670 Punkten schloss, Zeit brauchen wird.