"Austria is a too small country to make good doping." (Peter Schröcksnadel, 21. Februar 2006)

Österreich ist ein sehr kleines Land. Das hat Peter Schröcksnadel, der mächtige Präsident des Österreichischen Skiverbandes, während der Olympischen Spiele in Turin richtig erkannt. Aber ob Österreich auch zu klein ist, um professionelles, systematisches Doping zu organisieren, darüber scheiden sich spätestens seit den Doping-Vorwürfen der ARD die Geister.

"Österreich ist ein Doping-Paradies", erklärt die ehemalige österreichische Schwimm-Europameisterin Vera Lischka. "Was in Österreich passierte, das beruht auf DDR-Erfahrungswerten", befindet der weltweit anerkannte Anti-Doping-Professor Werner Franke. "In Österreich existieren ganze Doping-Nester", behauptet der Sport-Historiker Giselher Spitzer. Und selbst das Internationale Olympische Komitee stellte im April 2007 fest: "Die Fälle Rottmann, Perner und Co. sind klare Beispiele dafür, dass ein Netzwerk zusammenspielt, um Blut zu manipulieren."

Seit der Name des Laborbetriebes Humanplasma in der Doping-Affäre auf dem internationalen Tisch ist – bekanntlich hat die Welt-Anti-Doping-Agentur von der österreichischen Regierung Aufklärung gefordert –, bemüht sich auch die österreichische Politik, härtere Doping-Maßnahmen zu ergreifen. Staatssekretär Reinhold Lopatka (VP) forderte am Montag eine Änderung des Strafgesetzes – bis zu drei Jahre Haft für Hintermänner und Dealer. Dienstag trat auch der SP-Abgeordnete Johann Maier auf den Plan: "Strafrecht gegen Dopingnetzwerke und Sportbetrug! Arzneimittelgesetznovelle notwendig – weitere Maßnahmen folgen!" Am Mittwoch wird Maier seine Pläne erläutern.

Die Vorstöße sind gut und wichtig. Interessant ist nur die Frage, warum es in Sachen Doping und Arzneimittelgesetz in der jüngeren Vergangenheit so eklatante Versäumnisse in Österreich gab. Mehr noch: Dem österreichischen Kurier liegen Unterlagen vor, die eindeutig belegen, dass die letzte große Gesetzesnovelle (2005) von Humanplasma mitbeeinflusst wurde.

Zur Verdeutlichung: Humanplasma, Alserbachstraße 18, 1090 Wien, ist jene Firma, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur ins Zentrum der aktuellen Labor-Affäre um potenzielles Blutdoping gestellt wurde. So ein Zufall. Österreich, das kleine Land. Da läuft man sich halt immer wieder über den Weg.