Deutschland sucht den Superstar , die Mutter deutscher Casting-Formate, ist nach der vierten Auflage immer noch eine der erfolgreichsten Sendungen bei RTL. Hohe Einschaltquoten sind dem Kölner Privatsender Grund genug, um noch eine Staffel zu produzieren. Sechs Millionen Menschen sahen das Finale der vierten DSDS -Staffel, die am 5. Mai 2007 endete und Mark Medlock als Gewinner hervorbrachte. Zwar haben sich die Zuschauerzahlen im Vergleich zur ersten Staffel halbiert, mit einem Marktanteil von mehr als 30 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe kann RTL dennoch zufrieden sein. Die Konkurrenz-Veranstaltung Popstars auf ProSieben erreichte selbst in besten Zeiten weniger Publikum.

Der Erfolg der neuen DSDS -Runde, die am 23. Januar startet, ist absehbar. Medienbeobachter, Musiker und kritische Zuschauer haben längst erkannt, dass es bei Castingshows noch nie darum ging, mit jungen Talenten ernsthaft und kontinuierlich zu arbeiten. Das Rezept ist einfach: Das Publikum darf seinen Voyeurismus vor dem Fernsehgerät ausleben, und die Kandidaten lockt das Versprechen von der schillernden Musikerkarriere.

Andy Warhol hat es geahnt: " In the future, everyone will be famous for 15 minutes ." Der Meister der Pop Art prophezeite 1968 die Medienentwicklung des neuen Jahrtausends. Heute haben sich Casting-Shows längst etabliert. Models, Zauberer, Komiker, Hobbyköche, Tänzer, Hundebesitzer und eben Musiker müssen langwierige Auswahlverfahren vor den Kameras durchlaufen. Sogenannte Superstars entstehen am Fließband und verschwinden, noch bevor man sich ihre Namen merken kann.

Dennoch scheint die Sehnsucht junger Menschen nach Berühmtheit ungebrochen. Alle wollen dabei sein, ob sie talentiert sind oder nicht. Unter welchen psychischen Folgen die Emporkömmlinge nach dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit leiden, ist kaum von Interesse. 28.290 Teilnehmer haben sich für die aktuelle DSDS -Staffel beworben. Die wenigsten von ihnen werden auch nur 15 Sekunden mediale Aufmerksamkeit erhaschen.

Der Erfolg von Deutschland sucht den Superstar ist eng mit dem Musikproduzenten Dieter Bohlen verknüpft. Polarisierende Charaktere erhöhen die Einschaltquoten. Bohlen ist das Gesicht der Sendung, sie lebt von seinen markigen, bisweilen niveaulosen Kommentaren. Seine verbalen Ausfälle riefen sogar die Kommission für Jugendmedienschutz auf den Plan: Im Januar 2007 leitete sie ein Prüfverfahren gegen DSDS wegen "möglicher sozialethischer Desorientierung von Kindern und Jugendlichen" ein. Das Verstörende, Überdrehte, Dreiste ist nicht nur den Jurymitgliedern zur Maxime geworden. Auch die Wettbewerbsteilnehmer haben entdeckt, dass sonderbare, schrille oder peinliche Auftritte ihnen Aufmerksamkeit bescheren und sogar eine furchtbare Stimme entschuldigen.