Diese Szene ist noch in den Köpfen. Dieser Pfiff, der nach Meinung der französischen Handballer die Weltmeisterschaft entschieden hat: Dass die beiden schwedischen Schiedsrichter Hakansson und Nilsson am 1. Februar 2007 das Tor des französischen Flügelspielers in der 80. Minute des dramatischen WM-Halbfinales nicht anerkannten und damit den Titeltraum nach der 31:32-Niederlage gegen den Gastgeber Deutschland zerstörten, ist in der Erinnerung der französischen Teammitglieder noch überaus präsent.

"Wir haben das nicht vergessen", sagt Daniel Narcisse, der 28-jährige Rückraumstar der Franzosen. "Wir sind betrogen worden", fluchte damals Mannschaftskollege Nikola Karabatic.

Den Franzosen geht es im Duell mit Deutschland (Mittwoch, 18 Uhr) daher nicht allein um den Halbfinaleinzug bei der 8. Europameisterschaft. Es geht ihnen auch um sportliche Vergeltung für den "verfluchten Donnerstag", wie ihn Frankreichs Coach Claude Onesta nennt. Es geht um Rache für Köln.

Onesta erschien damals nicht zur obligatorischen Pressekonferenz nach dem Spiel und schmiedete stattdessen wüste Verschwörungstheorien. Nicht sportliche Leistungen hätten die WM entschieden, zeterte er gegenüber französischen Medien, sondern dunkle Mächte bei der Internationalen Handball-Föderation. Die "schwache Schiedsrichterleistung" sei "irgendwie programmiert" gewesen, fluchte Onesta. "Das hat mich nicht überrascht."

"Alle Welt weiß, dass die Deutschen die Fäden beim internationalen Verband ziehen", klagte er weiter. "Sie diktieren ihre Gesetze. Sie setzen ihre Sicht durch. Es ist eine Mafia. Unten, ganz unten, kommen die Mannschaften, die Spieler, die die Hauptakteure sein müssten, die man aber auf eine Komparsenrolle beschränkt. Der Handball ist fast ein politischer Gegenstand geworden und es gibt keinen Grund, warum diese Scheiße nicht weitergehen sollte."

Genauere Details verriet Onesta freilich nicht. Seine Kritik blieb indes in einem Punkt nicht ohne Wirkung: Die beiden schwedischen Schiedsrichter sind nach dem Kölner WM-Halbfinale nicht mehr bei internationalen Spielen eingesetzt worden. "Man kann sie im Moment nicht vorzeigen", sagte Christer Ahl, der Schiedsrichterchef des Handballverbands, am Rande der Frauen-WM im Dezember.