Einen Auftakt nach Maß - genau das wollten die Spieler von Heiner Brand gegen Weißrussland hinlegen. Angetrieben von ihrem Spielmacher Oleg Velyky stellten sie im norwegischen Bergen schon nach wenigen Minuten die Weichen für einen Sieg. Der gebürtige Ukrainer warf zwei Tore, das Team führte zwischenzeitlich 3:1. Velyky war Dreh- und Angelpunkt in den Anfangsminuten und strotzte vor Ehrgeiz.

Diese EM sollte auch sein persönlicher Triumph werden. „Ich habe schon zwei große Turniere mit der Nationalmannschaft verpasst. Diese EM war mein Ziel und ich will den Titel holen“, sagte der 30-Jährige vor dem Anwurf. Doch das Schicksal war erneut gegen ihn.

In der vierten Minute erweiterte sich die Leidensgeschichte des Oleg Velyky um ein neues Kapitel: Riss im Außenmeniskus des rechten Knies. „Es knackt bei jedem Schritt“, sagte der Pechvogel schon beim Gang in die Kabine. Sein Mannschaftsarzt Berthold Hallaier bestätigte in einer ersten Diagnose den Meniskusriss, welche später im Krankenhaus von Bergen zur Gewissheit wurde.

Auch diese EM ist für Velyky somit vorbei. Es ist schon das dritte große Turnier. Viele werden es in seinem Alter sicher nicht mehr werden. „Der Ausfall von Oleg tut uns sehr weh“, sagte Bundestrainer Brand, dem nun einer der wichtigsten Spieler fehlt.

Velyky ist Profi des HSV Hamburg und einer der besten Spielmacher in Europa. Aber so stark er auch im Verein auftrumpft, so bitter verlaufen seine Auftritte vor Großturnieren. Sein Karriereweg ist die Aneinanderreihung von Verletzungen. „Ich habe viele Tiefpunkte erlebt, aber ich habe mich dann immer wieder rangekämpft“, sagte Velyky noch vor der diesjährigen EM mit viel Zuversicht.

Handball ist eine der gefährlichsten Ballsportarten. Blickt man auf Velykys Leidensweg, kommt die Frage auf, wieso er den Sport nicht schon Jahre zuvor aufgegeben hat: Nach überstandener Hautkrebserkrankung im Jahr 2003 fehlte Velyky wegen eines Kreuzbandrisses bei der EM 2006, eine komplizierte Sehnenverletzung unter dem Fuß verhinderte seinen Einsatz bei der WM 2007. Jetzt der Riss im Außenmeniskus.

Vielleicht bleibt Velyky seinem Motto treu, kämpft sich erneut zurück und präsentiert sich auch nach diesem Rückschlag wieder in bestechender Form. Heiner Brand sagte vor kurzem über ihn, er sei einer der seltenen Spieler: Einer, der in einer Begegnung zwischen zwei gleich starken Mannschaften den Unterschied ausmache. Das Auftaktmatch gegen Weißrussland gewann Brands Team auch ohne Velyky mit 34:26. Die Chance auf den EM-Titel ist durch seine Verletzung aber sicher nicht größer geworden.