ZEIT online: Herr Vogts, haben Sie ihr Gehalt schon bekommen?

Berti Vogts: Es ist alles da.

ZEIT online: Jede zweite Geschichte über Sie handelt davon, dass Sie hinwerfen wollen, weil das Geld nicht kommt.

Vogts: Alles Schwachsinn! Schöne Wintermärchen.

ZEIT online: Also kommt Ihr Gehalt pünktlich?

Vogts: Das habe ich nicht gesagt. Aber es kommt.

ZEIT online: Wie entstehen dann solche Meldungen?

Vogts: In Nigeria schreiben sie, was sie wollen, deutsche Journalisten schreiben ab, Nachrichtenagenturen streuen die Falschmeldungen ungeprüft quer durch die Republik. In Nigeria war sogar zu lesen, dass wir im Trainingslager in Marbella Eis und Schnee haben. Der Sportminister reiste mit dicken Pullis an, um das zu überprüfen.

ZEIT online: Sie sollen angefeindet worden sein, weil Sie nicht in dem Land leben, dessen Farben Sie vertreten.

Vogts: Es macht sich aber niemand die Mühe, zu ergründen, was hinter diesen Berichten steht. Die Zeitungen in Nigeria können sich Reisen wie die nach Marbella nicht leisten. Einem Journalisten wurde jetzt vom Fußballverband die Reise bezahlt, damit der Fotos machen kann, die beweisen, dass es an der Costa del Sol nicht schneit. Natürlich sind diese weniger betuchten Medien daran interessiert, dass ich vor Ihrer Haustür trainiere. Aber das kann ich nicht!

ZEIT online: Wieso?

Vogts: Weil es in Nigeria nicht einen vernünftigen Rasenplatz gibt. Und weil ich die Jungs bei 38 Grad nicht auspowern kann. Das wäre physiologischer Wahnsinn!

ZEIT online: Der Kölner Express hat Ihren angeblichen Arbeitsvertrag abgedruckt? Das Schriftstück besagt, dass Sie sich bei Aufenthalten in Nigeria Polizeischutz garantieren lassen.

Vogts: Kein Kommentar. Die Sache liegt bei meinem Anwalt.

ZEIT online: Auf Ihren Nationalspieler Obafemi Martins wurde in Lagos ein Anschlag verübt.

Vogts: Falsch. Auf ein Auto mit verdunkelten Scheiben wurde ein Anschlag verübt. Niemand wusste, dass Martins drinsitzt. Nationalspieler sind in Nigeria Herrgötter. Kaum vorstellbar, dass ihnen jemand absichtlich etwas antut. Es gibt sicher Ecken in Nigeria, in die würde ich nicht gehen. Aber würden Sie als Weißer alleine durch die New Yorker Bronx laufen?

ZEIT online: Eher nicht.

Vogts: Dachte ich mir.