Renault wird in Israel ein Elektroauto bauen. Wohin gehört diese Meldung: In den Wirtschaftsteil? In die Rubrik "Wissenschaft", Abteilung "Umwelt"? Durchaus richtig, nur würde eine solche Platzierung die politische Dimension der Nachricht verfehlen. Israel will mit dem Projekt "Better Place" ein landesweites Elektroauto-Netzwerk aufbauen. Und der dafür benötigte Strom soll später einmal nur aus Solarenergie gewonnen werden. Das Land macht sich auf diese Weise vom Erdöl unabhängiger. Und damit von arabischen Nachbarn, die mit dem kleinen Staat so ihre Probleme haben. Historisch betrachtet, gilt natürlich auch die Umkehrung dieses Satzes, nur liefert eben Israel weder an Kuwait noch an den Irak noch an sonst wen das schwarze Gold.

Die Meldung aus Jerusalem – Renault-Chef Carlos Ghosn signierte den Bauvertrag übrigens in Gegenwart von Staatspräsident Shimon Peres, was seinen politischen Charakter nur unterstreicht – kam nur wenige Stunden nach einem Reuters-Interview, das ebenfalls in Israel Schlagzeilen machte. „ Saudi prince: If Israel quits Arab land, it could join Arab world “, stand in Haaretz zu lesen.

Prinz Turki al-Faisal, Mitglied des engeren Kreises der Königsfamilie, einst Botschafter seines Landes in Washington und London, aber früher auch als Geheimdienstchef in saudischen Diensten, hatte jenen zukunftsträchtigen Satz gesprochen. „Wir warten darauf, dass Israel unsere Hand ergreift.“ Erinnerungen werden wach, ähnlich überraschend war einst auch Ägyptens Präsident Sadat aufgetreten. Freilich, er sprach seine entscheidenden Worte nicht vor einem Reportermikrofon im fernen Europa, sondern vor der Knesset. Das erzeugte eine ganz andere politische Reichweite. Aber vielleicht war Prinz Turki al-Faisals Erklärung ja nur der Anfang.

Wo also liegt Israels Zukunft? Weiterhin unter amerikanischem Schutzschirm, wie seit Jahrzehnten? Das hat dem Land immerhin die größten Bedrohungen bisher erspart (man wird sehen, wie das mit dem iranischen Nuklearprogramm weitergeht). Auf dem Weg nach Europa, also in derselben Richtung, in der die Türkei ihr Glück sucht? Durchaus vorstellbar, die demokratischen Anforderungen der EU erfüllt Israel, als Hightech-Land wäre es ebenfalls willkommen, nur sein Umgang mit Palästinensern und Arabern im eigenen Land müsste dafür dringend überarbeitet werden.