Die Lage ist so gut wie hoffnungslos. Aber ist sie deshalb auch ernst? Romani Prodi lächelt. Er ist auf dem Weg ins Parlament. Es könnte einer seiner letzten Auftritte als Regierungschef werden, aber Prodi zeigt sich unbeeindruckt. "Ich denke, ich werde es auch diesmal schaffen." Er sagt lieber nicht, wie.

Clemente Mastella, bis zu seinem Rücktritt vorige Woche Justizminister und Vorsitzender der Kleinstpartei UDEUR ("Demokratische Union für Europa"), hat Prodi die Gefolgschaft aufgekündigt. Die UDEUR werde die Regierung auch nicht länger im Parlament unterstützen, erklärte Mastella und forderte Neuwahlen. Nun kam Mastellas christdemokratische Partei bei den letzten Wahlen im Frühjahr 2006 zwar nur auf 1,4 Prozent der Stimmen. Aber die drei UDEUR-Senatoren sind im Oberhaus, wo die Regierung bislang eine hauchdünne Zweistimmen-Mehrheit hatte, das Zünglein an der Waage. Ohne Mastella hat Prodi keine Mehrheit mehr im Senat.

Die Gründe für diese schwerste Regierungskrise seit Antritt der bizarren Neunparteien-Koalition vor 20 Monaten sind entlarvend für den Zustand der italienischen Politik und den Ansehensverlust der Institutionen. In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft in Santa Maria Capua Vetere bei Neapel Ermittlungsbescheide gegen 23 Politiker der UDEUR erlassen, darunter Mastella und seine Ehefrau Sandra, die zudem auch unter Hausarrest gestellt wurde.

Der Verdacht lautet auf Amtsmissbrauch und Korruption, es geht aber nicht um Geld, sondern um die feudalistischen Praktiken des Ehepaars Mastella, das auf Biegen und Brechen seine Günstlinge auch an den Schaltstellen des öffentlichen Gesundheitssystems unterbringen wollte.

Die sogenannte "Lottizzazione", die Vergabe von öffentlichen Ämtern nach Parteibuch, ist eine Unsitte, die besonders in Süditalien hartnäckig überlebt, und die Frau des Justizministers erwies sich beim Durchsetzen ihrer Interessen als überhaupt nicht zimperlich. "Alle machen es so", verteidigte sich Mastella am Montagabend im staatlichen Fernsehen, ebenfalls einer Hochburg der "Lottizzazione". Er sei, so der ehemalige Minister in überraschender Offenheit, schließlich gewählt worden, um seine Leute unterzubringen.

Zur Klientel gehörte auch Ehefrau Sandra: Sie leitete zunächst das Tourismusamt auf der mondänen Insel Capri und übernahm dann den Vorsitz des Regionalparlaments von Kampanien. Ihre erste Verfügung im Amt war das Verbot von Strickwesten für die Abgeordneten, attackiert wurde sie wegen einer Dienstreise zum "Columbus Day" nach New York, die den Steuerzahler mit hunderttausenden Euro teuer zu stehen kam.