Alter Ego: Die neuen Medien stärken die Klassengesellschaft. Die da oben nutzen das Fernsehen geschickt, um sich zu informieren. Sie knüpfen neue, profitable Kontakte im Internet. Ihre Bildung und das Vorbild ihrer Eltern erlauben ihnen das. Und die da unten schauen hohles Privatfernsehen und spielen Computerspiele.

Ego: Egal, was kommt. Du vermutest in allem einen Quell der Ungleichheit.

Alter Ego: Ist das ein Wunder angesichts der Tatsache, dass die Ungleichheit steigt und steigt.

Ego: Ein Wunder ist es nicht angesichts der Tatsache, dass der Kapitalismus für Dich ein Instrument der Ausbeutung ist. Das Privatfernsehen als Ablenkung vom Jammertal für die unteren sozialen Schichten. Aber es gibt auch noch so etwas wie Eigenverantwortung. Mit Deinen Systemanalysen gibst Du den einzelnen Menschen einfach keine Chance.

Alter Ego: Sie haben keine Chance.

Ego: Falsch. Die Kinder in Deutschland haben deutlich zu wenig Möglichkeiten, das stimmt. Aber deswegen müssen sie sich nicht an RTL II und schlechte Computerspiele gewöhnen. Die neuen Medien sind für sie ein möglicher Ausweg, der genutzt sein will. Und wenn das nicht funktioniert, liegt es nicht an den bösen kommerziellen Medien, sondern an Eltern und Schulen, die den Kindern keine guten Erzieher sind.

Alter Ego: Aber es ist nun einmal ein „Fact of life“: Arme Eltern, die zum Doppelverdienen gezwungen werden, arbeitslose Eltern, die wegen ihrer Chancenlosigkeit tief deprimiert sind – sie alle können ihre Kinder nicht hinreichend führen. Wohlhabende und mithin in der Regel gebildetere Eltern hingegen können entweder selbst ein Vorbild abgeben oder Menschen anheuern, die mit ihren Kindern lesen, richtig fernzusehen lernen und Interesse an interessanten Computerangeboten wecken.

Ego: Die Daten zeigen ja, dass sich junge Menschen mit geringer wie mit höherer Bildung von ARD und ZDF verabschieden und lieber Privatfernsehen schauen. Ein Klassenunterschied ist da kaum auszumachen. Natürlich starten die Wohlhabenden mit einem Vorteil. Das wird auch immer so sein. Trotzdem können sie scheitern, und die Armen können reüssieren. Auch in der Mediennutzung. Gerade in der Mediennutzung. Im übrigen: Was willst Du tun, das Internet reglementieren?

Alter Ego: Aha, Ironie! Bildung ist wichtig. Jugendarbeit ist wichtig. Aber deswegen kann man trotzdem überlegen, wie sich neue Medien in die richtige Richtung lenken lassen. Privatfernsehen darf in Deutschland bei weitem nicht alles, in den USA übrigens auch nicht. Und selbst für das Internet gelten gesetzliche Regeln aller Art. Warum sollte man nicht Computerprogramme vorschreiben, die nur bestimmte Websites zulässt für die Kinder?

Ego: Weil die sich sofort in die verbotenen Seiten hacken würden.