Ein Glucksen kann er sich kaum verkneifen. Der Pressesprecher der niedersächsischen CDU ist froh, dass er die Probleme der Parteifreunde in Hessen nicht hat. Warum sich Christian Wulff nicht mit seinem Ministerpräsidentenkollegen Koch solidarisiere? Warum er in der Debatte über eine Verschärfung des Jugendstrafrechts so beharrlich schweigt, obwohl keine andere Diskussion die allgemeine Aufmerksamkeit derzeit so sehr beherrscht?

Der Referent antwortet wachsweich: "Wir konzentrieren uns auf niedersächsische Themen", sagt er. Da mache es einfach "keinen Sinn über Bundespolitik zu diskutieren". Dazu zählt er auch die Jugendgewalt. Zumal die in Niedersachsen kaum vorkomme, das sei doch "vor allem ein Medienthema", sagt er. Aha! Was sind denn dann die Themen, die Niedersachsen umtreiben? "Es gibt nur ein großes Thema", sagt der Sprecher: "Das heißt Christian Wulff." Der sei außerordentlich beliebt, in allen Schichten und Parteien. Bei jedem Satz scheint neben Genugtuung auch eine gewisse Schadenfreude mitzuschwingen.

Denn das alles sind natürlich kleine Ohrfeigen für Koch, der sich bei allen anderen Parteien und erheblichen Teilen der Bevölkerung mit seiner jüngsten Kampagne einmal mehr unbeliebt gemacht hat wie kaum ein zweiter Politiker in Deutschland. Und der, so hat es den Anschein, sich damit in der Schlussphase des Landtagswahlkampfs in eine verfahrene Lage manövriert hat.

Die neueste Umfrage, die Infratest Dimap am Donnerstagabend im Auftrag der ARD veröffentlichte und die am Freitag von einer ZDF-Umfrage bestätigt wurde, schlug jedenfalls in CDU-Kreisen ziemlich auf die Stimmung. Demnach liegt die hessische SPD, die seit einigen Wochen im Aufwind ist, nun mit 37 Prozent nur noch einen Prozentpunkt hinter der regierenden CDU von Koch. Nach derzeitigem Stand reicht es nicht mal mehr für eine schwarz-gelbe Regierung in Hessen, ein Land, in dem die Union seit fünf Jahren alleine regiert. Besonders alarmierend für Koch: Bei einer Direktwahl würden sich nur noch 38 Prozent der Hessen für ihn entscheiden, 48 Prozent dagegen für die SPD-Herausforderin Andrea Ypsilanti.

Der Zuwachs der SPD, der Absturz der CDU und Kochs – so richtig begann diese Verschiebung der Wählergunst erst in den letzten drei Wochen. In der Zeit also, in der Koch mit Hilfe der Bild-Zeitung seine Kampagne gegen kriminelle Ausländerkinder fuhr. Es scheint tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zu bestehen zwischen dem rasanten Popularitätsverlust Kochs und seiner Forderung nach härteren Strafen und Abschiebungen. 65 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Kochs Lösungsvorschläge zu dem Thema falsch seien. 82 Prozent sagen gar, der Hessen-Premier solle erst mal "seine eigenen Hausaufgaben machen" und dafür sorgen, dass Jugendliche in seinem Land schneller verurteilt würden, wie er es selbst fordert. Schließlich kommen immer neue Zahlen ans Licht, die zeigen, wie schwach die Landesregierung in der Inneren Sicherheit tatsächlich abschneidet.

Ganz anders ist das Umfragebild in Niedersachsen. Dort findet der Wahlkampf jenseits einer größeren Öffentlichkeit statt. Christian Wulff tritt kaum in Erscheinung, mit kontroversen Themen schon gar nicht. Was bei den Wählern offenbar besser ankommt: Die Niedersachsen-CDU steht stabil bei 44 Prozent, Wulff liegt im direkten Vergleich mit seinem – ebenfalls unauffälligen – SPD-Kontrahenten Wolfgang Jüttner bei komfortablen 55 zu 27 Prozent.