Trotz deutlich sinkenden Zustimmungswerte, und obwohl ein Regierungsübernahme durch Rot-Grün in Hessen nicht mehr ausgeschlossen ist, gibt sich Roland Koch gut eine Woche vor der Landtagswahl kämpferisch. "Die Umfrageergebnisse sind eng, sehr eng", räumte er auf einer Wahlkampfveranstaltung ein. Er sei jedoch fest davon überzeugt, dass eine bürgerliche Mehrheit möglich sei. Hessen sei "ein knappes Land".

Koch machte deutlich, dass er in den verbleibenden Tagen bis zur Landtagswahl am 27. Januar seine Kampagne gegen eine rot-rot-grüne Regierung in Hessen noch verstärken will. Er griff die hessische Linke scharf an. Deren Mitglieder seien "keine Sozialromantiker, sondern stinknormale Altkommunisten". Die Linkspartei schicke sich an, "das Zünglein an der Waage zu werden".

An seinen Positionen zur Jugend- und Ausländerkriminalität will Koch festhalten, obwohl sie bei den Wähler offenkundig nicht gut ankommt. "Die Diskussion geht weiter", kündigte er am Donnerstagabend an und bekam dabei Rückenwind von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie sagte bei der gemeinsamen Veranstaltung, das Thema sei zu Recht in den Wahlkampf getragen worden. An die SPD gewandt sagte Merkel: "Wir lassen uns nicht verbieten, über die innere Sicherheit zu sprechen." Die CDU lasse sich auch nicht davon abhalten, Änderungen im Jugendstrafrecht zu fordern.

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag der ARD- Tagesthemen würde Kochs CDU in Hessen, wenn bereits an diesem Sonntag gewählt würde, nicht nur ihre absolute Mehrheit verlieren. Auch eine Koalition mit der FDP hätte keine Mehrheit.

Nach der Umfrage käme die CDU derzeit auf 38 Prozent der Wählerstimmen, zwei Punkte weniger als vor einer Woche und mehr als zehn Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2003 (48,8 Prozent). Die SPD würde mit 37 Prozent (plus zwei Punkte zur Vorwoche) dicht aufrücken. Die FDP büßte einen Punkt ein und käme auf 8 Prozent. Die Grünen verloren zwei Punkte auf 7 Prozent. Die Linke würde zwei Punkte zulegen und käme mit 6 Prozent erstmals in das Parlament eines Flächenlandes im Westen. Nach diesem Stand kämen die drei linken Parteien zusammen auf 50 Prozent.

Im direkten Vergleich liegt Koch mit nur noch 38 Prozent erstmals hinter seiner Herausforderin Andrea Ypsilanti von der SPD. Die war vor einem Jahr noch kaum bekannt – und erreicht jetzt eine Zustimmung von 48 Prozent, weit vor dem Amtsinhaber.

Allerdings sind die Zahlen nur eine Momentaufnahme. Nach Angaben der ARD sind noch 40 Prozent der Wähler in Hessen unentschlossen, und Koch hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass er es als Wahlkämpfer versteht, einen Trend noch in den letzten Tagen vor einer Wahl zu drehen - insbesondere bei seinem ersten Wahlsieg in Hessen 1999. Entsprechend kämpferisch gibt er sich auch jetzt.

Doch mit seiner umstrittenen Kampagne gegen jugendliche Gewalttäter und ausländische Kriminelle, die er seit drei Wochen fährt, kann er bei den Wählern offenkundig nicht punkten. So finden zwar 50 Prozent der Befragten es richtig, dass Koch das Thema in den Wahlkampf eingebracht hat (fast ebenso viele, nämlich 48 Prozent, finden es nicht gut). 82 Prozent sind jedoch der Meinung, dass der CDU-Regierungschef in punkto Jugendgewalt erst mal seine eigenen Hausaufgaben machen und dafür sorgen sollte, dass es zu schnelleren Gerichtsurteilen in seinem Land kommt. 65 Prozent halten Kochs Lösungsvorschläge nicht für richtig.