An diesem Montag nehmen die Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei an einer Fernsehdebatte teil, veranstaltet vom Congressional Black Caucus Institute , dem Zusammenschluss der schwarzen Parlamentarier Amerikas. Zum Martin-Luther-King-Tag könnte man sich kein passenderes Vorhaben ausdenken.

Vor einer Woche war in den amerikanischen Medien eine Debatte um Barack Obamas Hautfarbe ausgebrochen, ebenso um Hillary Clintons weibliche Identität sowie um Rassismus und Sexismus im bisherigen Präsidentschaftswahlkampf der Demokraten. Auslöser war ein bereits etwas älteres Zitat Hillary Clintons: "Dr. Kings Traum fing an Wirklichkeit zu werden, als Präsident Lyndon B. Johnson den Civil Rights Act von 1964 verabschiedete", sagte sie einem Interview-Ausschnitt, der immer und immer von den großen Fernsehsendern ausgestrahlt wurde.

Ob Clintons Formulierung nun kalkuliert oder fahrlässig war – einige jedenfalls lasen zwischen den Zeilen, dass die Kandidatin sagen wollte, es bedürfe der Arbeit eines weißen Politikers, um der Rhetorik eines Schwarzen Taten folgen zu lassen. Und dass sie, als Frau der Taten, bedeutender sei als Obama, der Mann der Worte. Bürgerrechtsgruppen warfen ihr vor, die Bedeutung Martin Luther Kings schmälern zu wollen. Clinton dementierte. Und warf ihrerseits ihrem Konkurrenten vor, Rassismus-Vorwürfe gegen sie zu schüren. Nun dementierte Obama.

An Martin Luther Kings Geburtstag dann, dem 15. Januar, hatten sich die Kandidaten der Demokraten zur Fernsehdebatte in Las Vegas getroffen, anlässlich der anstehenden Vorwahlen in Nevada. Da war das Bedürfnis der Wähler, über Geschlecht und Hautfarbe zu diskutieren, schon nicht mehr aufzuhalten. "Was kann ein weißer Mann tun, der gegen diese historischen Kandidaten antritt?", war während der Diskussion eine der Wählerfragen an John Edwards. "Wissen Sie, ich bin stolz, dass für meine Partei eine Frau und ein Afro-Amerikaner antreten, die sehr sehr ernst zu nehmende Kandidaten sind", mit diesen Worten wich Edwards der Frage aus. "Sie haben beide darum gebeten, nicht auf der Basis ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe in Betracht gezogen zu werden und ich respektiere das. Ich glaube allerdings, dass es ein wirklich gutes Zeichen für Amerika ist."

Ob Obama schwarz und Clinton feminin genug seien – vor etwa einem halben Jahr hätten sich die meisten Wähler und Kommentatoren an die Etikette gehalten, die Kandidaten als Persönlichkeiten und Politiker zu beurteilen, ohne Ansehen der Hautfarbe oder des Geschlechts. Doch das hat sich nun geändert.

Von der Selbstverständlichkeit, mit der Clinton im allgemeinen Sprachgebrauch beim Vornamen genannt wird, bis hin zu der Diskussion um die Macht ihrer feuchten Augen vor New Hampshire – es ist schwer zu behaupten, dass Clinton keine geschlechtsbedingte Sonderbehandlung zukommt. Sie ist in diesem Jahr die einzige Frau im Wettlauf um das Präsidentenamt, und die erste Frau mit einer realistischen Chance, diesen Wettlauf zu gewinnen. Wie sehr das ein ungewohntes Phänomen ist, merkt man dem öffentlichen Umgang mit ihrer Person an.

Im Herzen der Altstadt von Alexandria, einem pittoresken Touristenort im Speckgürtel der amerikanischen Hauptstadt liegt ein Krimskrams-Laden namens "Old Town Trading Post". In der einen Hälfte des Ladens werden Batiktücher, Räucherstäbchen und Plastikschmuck angeboten, in der anderen politische Fan- und Scherzartikel. "Wir mögen Präsident Bush", sagt George, der hier seit 13 Jahren die Kasse bedient, "wir haben ausschließlich Republikaner-Sachen." Dekorativ im Schaufenster steht eine Klobürste, in die eine Plastikfigur von Hillary Clinton eingearbeitet ist. Aus dem Kopf der Kandidatin wachsen die Borsten der Bürste. Knapp 20 Dollar soll die Figur kosten, deren Verpackung eine Karikatur von Clinton zeigt, die aus einer Kloschüssel ragt. "Wir kriegen immer wieder Beschwerden," sagt George, sogar das Schaufenster seines Ladens wurde einmal eingeschlagen. "Aber das sind Idioten. Uns ist das egal."