(1) Uni-Präsident

Was passiert ist: Früher hießen sie meistens Rektoren, heute nennen sie sich immer häufiger Präsidenten. Dass viele Uni-Lenker ihre Bezeichnung wechseln, ist kein Zufall: Sein Titel verspricht dem Rektor zwar Ansehen,doch seine Entscheidungsfreiheit ist häufig eingeschränkt, direkt durch den Einfluss des akademischen Senats, indirekt durch die Abhängigkeit von den Ministerien. Die Reformer hingegen glauben, dass es einer starken Führungspersönlichkeit bedarf, damit eine Hochschule im Wettbewerb um die klügsten Köpfe erfolgreich ist. Neue Präsidialverfassungen gestehen vielen Uni-Präsidenten eine Sonderfunktion zu. Sie sind nicht mehr Erste unter Gleichen innerhalb der Professorenschaft, sondern haben häufig das letzte Wort. Gleichzeitig erlangen die Hochschulen mehr Freiheit, manche werden gar zu Stiftungen, sodass ihre Präsidenten auch formal nicht mehr den Minister als Vorgesetzten haben.

Wo es hakt: Auf dem Papier mag die Unabhängigkeit vieler Unis mittlerweile groß sein, doch die Ministerialbürokratie einiger Bundesländer tut sich in der Praxis schwer damit, loszulassen. Selbst in kleine Budgetentscheidungen versuchen manche Beamte hineinzufunken. Letzten Endes hilft nur die Entschlossenheit des Ministers, damit den schönen Worten Taten folgen. Gleichzeitig kann auch die größte Unabhängigkeit nichts an der Unterfinanzierung durch den Staat ändern. Schließlich müssen viele Präsidenten mit innerem Widerstand fertig werden: Kritiker sehen in ihrer Macht das Ende der Gremienuniversität.

(2) Professorenbesoldung

Was passiert ist: Wer mehr leistet, soll mehr verdienen. Das gilt seit 2005 auch für Professoren. Bis dahin bestimmten die Dienstjahre ihren Verdienst. Mit der leistungsbezogenen Bezahlung erhöhen sich die Bezüge nicht mehr automatisch. Vielmehr bestimmt die Hochschule – wie international durchaus üblich – von Fall zu Fall über die Zuschläge. Wer sich hervortut bei der Betreuung der Studenten, sich in der Forschung oder in der Verwaltung engagiert, dem kann die Hochschule zum Grundgehalt einen Bonus zahlen. Jeder Professor hat die Möglichkeit, sein Gehalt zu erhöhen, indem er die Universität wechselt beziehungsweise ein Jobangebot ("Ruf") ablehnt. Zudem gibt es eine neue Gehaltsnomenklatur: Aus C1-, C2-, C3- und C4-Professuren wurden W1, W2 und W3.

Wo es hakt: Ein Arbeitgeber, der seine fleißigsten Angestellten finanziell belohnen möchte, braucht dafür zusätzliches Geld. Den Unis fehlt dieses Geld; die Reform war nicht mit zusätzlichen Mitteln versehen. Um zumindest etwas verteilen zu können, setzte die Politik das Grundgehalt niedrig an: für einen Juniorprofessor (W1) auf rund 3500 Euro, die Höchststufe (W3) liegt bei 4800 Euro. Im internationalen Wettbewerb sind deutsche Unis mit einer solchen Bezahlung nicht konkurrenzfähig.

(3) Exzellenzinitiative

Was passiert ist: Nur wenige deutsche Hochschulen haben das Potenzial zur internationalen Spitzenuniversität. Um herauszufinden, welche dies sind, veranstalteten Bund und Länder die Exzellenzinitiative. Neun Universitäten wurden für ihr Zukunftskonzept ausgezeichnet, in dem sie darlegen, wie sie den Harvards dieser Welt Konkurrenz machen wollen. Gleichzeitig wollen Politik und Wissenschaftsorganisationen mit dem Wettbewerb zwei Trends beschleunigen: die Ausbildung von Doktoranden stärker zu strukturieren sowie Forschungsschwerpunkte zu setzen. Für die Schaffung sogenannter Graduate Schools und Forschungscluster erhalten die Hochschulen jeweils mehrere Millionen Euro. Insgesamt gilt: Deutsche Unis sollen sich in Zukunft stärker voneinander unterscheiden.

Wo es hakt: Insgesamt knapp zwei Milliarden Euro extra sind für deutsche Hochschulen eine Menge Geld – aber zu wenig, um den besten Unis der Welt Paroli zu bieten. Die Exzellenzinitiative hat die Beteiligten zudem viel Kraft gekostet: für unzählige Sitzungen und umfangreiche Anträge. Dabei ist noch ungewiss ist, welche Früchte die Großaktion hervorbringt. Es besteht zudem die Befürchtung, dass die Hochschulen, die leer ausgingen, geschwächt werden.