"Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles", dichtete einst schon Goethe. Zum Gold drängen derzeit die Anleger scharenweise, das edle Metall ist so gefragt wie selten zuvor. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Goldpreis vervielfacht, in den vergangenen Tagen musste für die Feinunze ein Rekordpreis von über 900 US-Dollar bezahlt werden.

Abgesehen von einem kurzen Kursrutsch Mitte 2006 geht die Kurve beim Goldpreis damit stetig nach oben. Neuen Schub brachte die US-Hypothekenkrise und die damit verbundene Angst um die Stabilität der weltweiten Finanzsysteme. Angst, so lehrt es die Vergangenheit, ist der beste Treibsatz für den Goldpreis. Nicht die ältere Anlegergeneration lässt die Furcht vor Inflation oder gar einer Währungsreform die begehrten Münzen und Barren kaufen – koste es, was es wolle.

Die lang anhaltende Hausse hat unterdessen immer mehr Analysten auf den Plan gerufen, die zum Einstieg in Gold raten und darin teilweise schon die "Leitwährung des 21. Jahrhunderts" sehen. Allzu verführerisch erscheint die Hoffnung darauf, dass der Höhenflug des Goldes anhält und weitere Gewinne winken. Allzu nachvollziehbar ist die Argumentation, dass Gold als klassische Krisenwährung schon bald eine Renaissance erfahren könnte.

Mussten nicht in den vergangenen Wochen und Monaten Großbanken in aller Welt nach milliardenschweren Abschreibungen im Bereich der Kreditderivate in Ostasien zu Kreuze kriechen, um die dortigen Staatsfonds um frisches Kapital zu bitten? Liegt nicht schon wie weiland über dem dekadent gewordenen späten Rom ein Modergeruch über den Kapitalmärkten? Hängt nicht die Rezessionsangst wie ein Damoklesschwert über der USA, der mächtigsten Wirtschaftsnation der Welt?

Das alles ist Wasser auf die Mühlen der Goldpropheten – doch bei näherer Betrachtung geht es nur allzu oft darum, dass mit der Empfehlung der Anlageklasse Gold ein goldenes Näschen verdient wird. Ganz vorne mit dabei sind wieder einmal die Herausgeber mehr oder weniger dubioser Börsenbriefe, die mit der Jubelarie auf die Goldrendite Anleger in teure Abonnements locken wollen.

Es mag sein, dass der Goldpreis noch weiter steigt oder auf dem aktuellen Niveau verharrt. Doch bevor sich Anleger vom Glanz des edlen Metalls blenden lassen, sollten sie ein paar skeptische Überlegungen anstellen.