Italiens Ministerpräsident Romano Prodi steht vor der schwersten innenpolitischen Krise seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren. Der erst vor kurzem zurückgetretene Justizminister Clemente Mastella kündigte am Montag an, seine Partei werde sich aus der Koalition zurückziehen. Damit verliert die Mitte-Links-Regierung von Prodi die Mehrheit im Senat, dem Oberhaus des italienischen Parlaments.

"Diese Mehrheit existiert nicht mehr. Diese Mitte-Links-Regierung ist beendet", sagte Mastella auf einer Pressekonferenz. Seine christliche Partei Udeur setze sich daher für Neuwahlen ein. "Ich sage: Genug ist genug." Mastella war vergangene Woche zurückgetreten, weil die italienischen Behörden eine Untersuchung gegen ihn und seine Frau eingeleitet hatten. Den beiden wird Korruption vorgeworfen. Kurz darauf kündigte er zunächst noch an, er wolle Prodi weiterhin unterstützen. Diese Entscheidung machte er nun rückgängig.

Auch das Mitte-Rechts-Lager des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi forderte Prodi zum Rücktritt auf und sprach sich für vorgezogene Wahlen aus.

Von Prodi selbst war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Am Rande einer abendlichen Krisensitzung der Koalition verlautete aber, der Ministerpräsident werde vorerst nicht zurücktreten. Parlamentspräsident Fausto Bertinotti sagte, Prodi werde am Dienstag in einer Rede zu den Abgeordneten sprechen und sein weiteres politisches Vorgehen erläutern.

Ohne die Unterstützung der drei Udeur-Senatoren fehlt Prodis Regierung nun ein Sitz zur Mehrheit im Oberhaus. Prodi könnte Abstimmungen im Senat auch weiterhin mit Hilfe von auf Lebenszeit ernannten Senatoren gewinnen, eine vom Wähler legitimierte Mehrheit hat er mit dem Rückzug von Udeur jedoch verloren.

Am Mittwoch stimmt der Senat, in dem Prodis Koalition wegen der knappen Mehrheit wiederholt auf Stimmen der Senatoren auf Lebenszeit angewiesen war, über einen Misstrauensantrag gegen Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio wegen der Müllkrise in Neapel ab.