ZEIT online: Herr Andres, in Deutschland mischen Private-Equity-Firmen den Markt auf - Rodenstock, Märklin, der Grüne Punkt sind schon in ihren Händen. Franz Müntefering prägte den Begriff der „Heuschrecken“. Sie haben erstmals zusammen mit einem Forscherteam das Treiben der Fonds in Deutschland umfassend untersucht. Hat Müntefering recht?

Andres: Nein. Es sind nicht alle böse oder alle gut. Es mag einige schwarze Schafe geben. Letztlich aber nutzen Private-Equity-Firmen mehr als sie schaden.

ZEIT online: Wie kommen sie darauf?

Andres: In unserer Untersuchung haben wir alle Einstiege von Private-Equity-Fonds im Zeitraum zwischen 1998 und 2007 betrachtet – insgesamt 52 Unternehmen, darunter kleine, aber auch große wie die Deutsche Telekom. Weder konnten wir feststellen, dass im Durchschnitt Arbeitsplätze bei den übernommenen Firmen verschwanden, noch fielen die Löhne. Das allgemeine Vorurteil, dass diese Firmen in Deutschland Arbeitsplätze vernichten, ist also falsch. Stattdessen werden enorme Werte am Markt geschaffen. Allein am Tag der Übernahme stieg der Kurs der Firmen im Durchschnitt um 5,6 Prozent. Langfristig waren die Unternehmen später mehr wert als vorher.

ZEIT online: Kein Wunder. Die Private-Equity-Firmen finanzieren die Übernahmen mit Fremdkapital, was steuerliche Vorteile schafft. Dadurch steigt der Firmenwert automatisch.

Andres: Das ist ein Effekt, ja. Wir können beobachten, dass sich die Finanzinvestoren in Deutschland eben jene Unternehmen ausgesucht haben, die eine hohe Steuerbelastung hatten. Da die Zinsen auf Fremdkapital in Deutschland steuerlich abzugsfähig sind, und die Private-Equity-Firmen geliehenes Kapital an die Stelle von Eigenkapital setzen, sinkt die Steuerschuld der Unternehmen.

ZEIT online: Eine Umverteilung von Steuerzahlern zu Aktionären.

Andres: Ja. Es gibt jedoch noch einen zweiten Effekt: Private-Equity-Fonds suchen sich oft Firmen, die unterbewertet sind. Wir können zeigen, dass der Wertzuwachs der Unternehmen umso größer ist, desto schwächer der Kurs der Unternehmen in der Vergangenheit war. Zudem suchen sich die Fonds oft Unternehmen mit sehr solidem Cash-Flow. Der ist nötig, damit die Unternehmen in Zukunft auch die Schulden tilgen können, die man ihnen aufgebürdet hat.