Gegen Ende der neunziger Jahre, als sich der deutsche HipHop noch geografisch erschließen ließ und die Leuchttürme der Szene in Stuttgart und Hamburg standen, herrschte in Berlin tiefschwarze Nacht. Bis einer das Licht anmachte: Marcus Staiger gründete Royalbunker, die erfolgreichste Plattenfirma für deutschsprachigen Rap. Er verhalf Reimern wie Sido , Kool Savas und B-Tight zu ihren Karrieren. Zuletzt brachte er die Kreuzberger Gruppe K.I.Z. in die Hitparaden. Nun ist Schluss: Staiger schließt den Bunker ab.

ZEIT online:
Herr Staiger, nach zehn Jahren beenden Sie ihre Arbeit bei Royalbunker. Haben Sie dem deutschen Rap alles gegeben?

Marcus Staiger: Genau dieses Gefühl habe ich. Ich habe mich in den vergangenen zehn Jahren immer bemüht, neue Impulse zu geben, anders und originell zu sein. Ich glaube, das ist mir auch gelungen. Wenn ich mir die aktuellen Ausgaben der deutschen HipHop-Magazine anschaue, dann ist immer mindestens ein Künstler darin zu finden, mit dem ich oder mein Label schon zu tun hatten. Also hat Royalbunker seine Spuren hinterlassen, auch wenn es nie derartig kommerziell erfolgreich war wie andere Labels.

ZEIT online: Viele Künstler, die mit Royalbunker gewachsen sind, sind mittlerweile bei großen Plattenfirmen unter Vertrag. Hätten Sie sich mehr Treue gewünscht?

Staiger: Nicht unbedingt. Das ist eine normale Entwicklung. Ich bin im Entdecken von Künstlern auch besser als im Ausarbeiten. Mir liegen diese marktstrategischen Überlegungen nicht. Ich fühle mich unwohl, wenn ich mir Pressegeschichten für die BRAVO ausdenken muss. Das interessiert mich nicht.

ZEIT online: Was ist Ihre eigentliche Stärke als Labelchef?

Staiger: Ich fühle mich wohl in der Rolle, Talente zu sehen, wenn sie noch kein anderer sieht. Den Rest sollen die anderen machen. Wirtschaftlich ist das nicht die klügste Herangehensweise, was meine Arbeit mit Royalbunker erschwert hat. Aber ich bin nicht enttäuscht. Ich habe es nur lange genug gemacht und einfach keine Lust mehr.

ZEIT online: In ihrem Abschiedsbrief auf der Royalbunker-Homepage schreiben sie: 'Was anderes kommt und die alten Sprüche stimmen ja immer noch. Irgendwie.' Das klingt beinahe resigniert. Besteht kein Bedarf an neuen Sprüchen?

Staiger: Doch bestimmt. Neue Sprüche und neue Slogans sind immer wichtig. Aber vielleicht fallen anderen Leuten ja auch ein paar gute Sachen ein. Ich habe vor, weiterhin publizistisch tätig zu sein. In Blogs, in Zeitschriften, als Schriftsteller mit eigenen Buchveröffentlichungen. Ich werde also sicherlich neue Sprüche produzieren.

ZEIT online: K.I.Z. fanden sich im vergangenen Jahr sowohl in den Charts wieder, als auch in den Feuilletons. Ein großer Erfolg! Wollen Sie die Gruppe nicht weiter fördern?