Mehr als vier Millionen Menschen sind im Irak auf der Flucht oder haben das Land verlassen. Sie verstecken sich bei Verwandten, retten sich in Flüchtlingslagern in Jordanien und Syrien, wo die Ersparnisse schmelzen und sich ihre Kinder prostituieren müssen. Besonders gefährdet sind Iraker, die für Amerikaner gearbeitet haben. Ungefähr 100.000 sind es, sagt George Packer, der als Reporter für das Renommee-Magazin New Yorker arbeitet. Es sind dies Übersetzer, Fahrer, Sekretärinnen, Köchinnen. Sie gelten als Verräter, vogelfrei, sie werden entführt, erschossen, totgeschlagen. Es ist eine der großen humanitären Katastrophen der Gegenwart.

Nur wenige haben es geschafft, ein Visum für die USA zu bekommen. 1600 irakische Flüchtlinge hat Amerika im vergangenen Jahr aufgenommen. Für das kommende Jahr hat das Außenministerium 12.000 Visa versprochen, aber bisher durften erst 375 Flüchtlinge kommen. Die Empörung darüber bleibt gering, sowohl unter den Amerikanern im Irak, die sich in der Green Zone in Bagdad verbunkert haben, als auch unter den amerikanischen Wählern zu Hause, die sich nur für das Wohl ihrer Truppen interessieren.

Nun hat George Packer ein Theaterstück darüber geschrieben. Es feiert am 6. Februar im "Cultural Project" Premiere, einem Off-Broadway-Theater in New York. Packer hat im Irak mit Irakern gesprochen, die für die Amerikaner gearbeitet haben. Darüber hat er vergangenes Jahr eine Reportage im New Yorker verfasst, war aber damit nicht zufrieden. "Ich wollte der Geschichte ein menschliches Gesicht verleihen, etwas, was die Menschen bewegt", sagt er. "Denn das ist nicht der Krieg von George W. Bush, das ist der Krieg, den wir Amerikaner führen."

Das Stück dreht sich um drei irakische Übersetzer, Sunni Adnan, Schiiten Laith und die junge Intisar, die Emily Bronté liebt, für ihr Leben gerne Fahrrad fahren würde wie ein Junge, vor Ärger krank wurde, als Saddam Hussein ihre Universität besuchte, und die sich nach seinem Sturz weigert, den Schleier zu tragen, obwohl der Druck der Islamisten immer stärker wird. Alle drei jubeln, als die US Army einmarschiert und den verhassten Diktator verjagt, und sie bieten ihre Dienste an. "Sie vertrauten darauf, dass die Amerikaner sie beschützen würden", sagt Packer.

Doch das war ein Irrtum. Das wird schon klar, als das Stück beginnt. Laith und Adnan treffen sich im desolaten, leeren Hotel "Palestine" in Bagdad. Laith hat drei Tage gebraucht, um sich hierher durchzuschlagen. Er wurde von der Army gefeuert, die ihn verdächtigt, ein Spion zu sein. Nun wird er von den al-Sadr-Milizen erpresst, ihnen Informationen über die Besatzer zu liefern, und fleht Adnan an, ihm dabei zu helfen.

Nach und nach, in Rückblenden, erfahren wir, was passiert ist. Intisar wird von Islamisten umgebracht, die ihr die Haare abschneiden und ihren toten Körper liegen lassen wie den einer Hündin. Adnan geht ins Leichenschauhaus, wo schon viele tote Mädchen liegen, und verzweifelt. Laith versucht, seinem amerikanischen Vorgesetzten zu helfen, macht dabei einen Fehler und versagt in einem Lügendetektortest.