Um wissenschaftliche Standards der Nachprüfbarkeit geht es den Autoren offenbar wenig. Denkt man dies weiter, so heißt das: Ob die Rangliste in der Studie stimmt, ist gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist die öffentliche Wirkung . Das geben die Klimaforscher auch unumwunden zu: "Die Gesellschaft darf nicht durch die nur sachte ansteigenden Projektionen der globalen Veränderung in falscher Sicherheit gewiegt werden", sagt Hauptautor Tim Lenton, Professor der britischen University of East Anglia.

Es musste wohl etwas Dramatischeres her als die Voraussagen des Weltklimarates IPCC , um die Gesellschaft wachzurütteln. Und das, obwohl die IPCC-Prognosen eigentlich schon genügen sollten, den Alarmzustand auszurufen. Doch die Klimatologen wollen noch mehr Aufmerksamkeit. Und wie ginge das besser als durch die Behauptung, das Klima stünde bereits auf der Kippe?

Andererseits jedoch erweisen die PNAS -Autoren mit dieser Veröffentlichung nicht nur ihrer Zunft, sondern der gesamten Wissenschaft einen schlechten Dienst. Denn sie können damit das verspielen, was in der Wissensgesellschaft das vielleicht wertvollste Gut ist: das Vertrauen in die Ergebnisse der Forschung, das Vertrauen in die Wissenschaft als verlässlichen Wahrheitsfinder. Wo zweifelhafte Umfragen statt Fakten in hochrangigen wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht werden, wo persönliche Forschermeinungen als belastbares Wissen verkauft werden, ist der Ruf der Wissenschaft als Ganzes in Gefahr.

Gerade weil der Klimawandel so gefährlich und wichtig ist, brauchen wir verlässliche Forschungsergebnisse darüber. Schließlich gibt es keine andere Kraft außer der Wissenschaft, die die Grundlage für die politische Diskussion liefern kann, wie dem Klimawandel zu begegnen ist. Eine Diskussion, die gar nicht ernst genug genommen werden kann und die vermutlich unser aller Leben verändern wird.

Gerade darum ist die Wissenschaft in der Pflicht, Wissen zu generieren, das wirklich als belastbare Basis für eine gesellschaftliche Debatte taugt. Dazu gibt es eindeutige  Qualitätsstandards und eine klare wissenschaftliche Methodik. In ihrem Kern sitzt der Zweifel: Sind die eigenen Ergebnisse wirklich sicher? Muss man mit einer noch besseren Methode forschen? Wo sind die Fehler im bisherigen wissenschaftlichen Verständnis? Nur wenn dies die Forschung antreibt, kann sie immer besser werden. Kollektive Mutmaßungen aus einer Auswahl weltweiter Labors haben innerhalb dieser Regeln keinen Platz als Bausteine im großen Gebäude des Wissens.

Fast gewinnt man den Eindruck, die Autoren der PNAS -Studie wollten die strengen Qualitätskriterien aufweichen. In ihrer Veröffentlichung sprechen sie vom "Vertrauen der Forschergemeinschaft". Und davon, dass Meinungsumfragen inzwischen durchaus üblich seien, wenn es an harten Fakten mangele, besonders, wenn es um politisch relevante Fragen ginge.