Die Demoskopen haben sich bisher nicht vertan, die Kandidaten schlugen sich in etwa so wie erwartet: Clinton und Obama Kopf an Kopf, und unter den Republikanern führt McCain, der freilich in den Südstaaten von Huckabee bedrängt wurde.

Allerdings können auch in den bisherigen Ergebnissen noch Überraschungen verborgen sein. Denn die Staaten, in denen an diesem Dienstag Vorwahlen stattfanden, stimmten zumeist nicht nach Mehrheitswahlrecht ab; im demokratischen Lager sogar nicht ein einziger. Das aber bedeutet, dass es auf die Verteilung der nach Verhältniswahlrecht gewonnenen Delegierten ankommt - Clintons Sieg in Arkansas beispielsweise ist erst analysiert, sobald die Anzahl der gewonnenen Sitze ermittelt ist.

Freilich wäre es etwas unpolitisch, nur die Delegierten zu zählen. Nicht zu unterschätzen ist das - von den Medien verstärkte - psychologische Moment. Von diesem Mittwoch an ist die Wirkung der unterschiedlich eingefärbten Karten aus den Wahlstudios, der Siegesposen wegen des einen oder anderen Staates, der dramatischen Reden und sportlichen Gesten besonders zu beachten. Der Superdienstag bestimmt eben auch, mit wie viel Schwung die Kandidaten in den nun folgenden Fernseh- und Netzwahlkampf durchstarten können.

Was das betrifft, so waren Clintons selbstverständliche Siege in New York, New Jersey und Arkansas ebenso wenig inspirierend wie Obamas erwartete Erfolge in Illinois, Georgia, Delaware und Kansas. Wertvoll könnte sich für ihn allerdings der Sieg in Minnesota erweisen, das viele Delegierte stellt. Misslungen wiederum ist ihm der Versuch, in Massachusetts mit Hilfe des Senators Edward Kennedy seiner Konkurrentin die Führung streitig zu machen.

Im Lager der Republikaner hatte sich zunächst die scheinbare Hegemonie John McCains relativiert, was aber ebenfalls keine Überraschung war. Mike Huckabee ist nach wie vor im Rennen. Insbesondere im tiefreligiösen Süden erwies sich der Prediger Huckabee als starker Konkurrent des eher liberalkonservativen McCain.

Mitt Romney wiederum, der lediglich in denjenigen Staaten Erfolge hatte, wo seine harte Einwanderungspolitik goutiert wird, zog in seiner Rede Dienstagnacht eben diese Karte ein weiteres Mal gegen McCain und deutete damit an, was von seinem Medienwahlkampf in den kommenden Monaten erwartet werden muss - wenn er denn wirklich weitermachen sollte. Er gilt als der Verlierer des Abends.