Zangenangriff auf Google – Seite 1

Googles Durchmarsch zur wichtigsten Suchmaschine im Internet hatte zwei Erfolgsfaktoren: die beinahe leere Startseite und die guten Ergebnisse der Suche. Der Mensch fand plötzlich, was ihn interessierte, leicht und schnell. Microsofts Desaster mit " Live Search ", der Suchmaschine aus eigenem Hause, hatte ebenfalls zwei Gründe: das zerstörte Vertrauen in die Ehrlichkeit des Unternehmens durch seinen ausgeprägten Hang zum Geldverdienen  selbst auf Kosten der Sicherheit ihrer Nutzer; und die schlechten Ergebnisse der Suche.

Nun laufen Microsofts Strategen zu Hochform auf. Nach jahrelangem Zögern und verfrühtem Triumph über gewonnene ( Browser -)Kriege hat Ray Ozzie , Chief Software Architect und nun einer von Bill Gates Nachfolgern, dafür gesorgt, dass das globale Informationsnetz auch in Redmond wirklich ernst genommen wird. Der Konzern spannt seine Muskeln an. Und nutzt seinen Verstand.

Zwei Übernahmen stehen bevor, eine nahezu vollzogen, die andere durch Geldes Kraft auf gutem Wege.

Zunächst Fast: Anfang Januar begann Microsoft mit dem Aufkauf der Aktien des norwegischen Unternehmens, das unter Branchenkennern als Geheimtipp galt. Niemand sonst hatte Google zumindest in einer Region, Skandinavien, so lange und so erfolgreich die Stirn bieten können.

Fast baut seit Langem Suchmaschinen für jeden, der eine braucht: für große Firmen mit chaotischen Intranets, für Webportale mit viel Inhalt und sehr vielen Nutzern, für Unicef, TimeWarner, die Deutsche Telekom und Nissan. Es war nicht eine Lösung, es wurden tausende, die im Laufe eines Jahrzehnts jedes wünschenswerte Feature als Teil eines großen Ganzen entstehen ließen. Fast blieb im Hintergrund und stellte "nur" die Technik für die dann erfolgreichen Marken .

Ihr Meisterstück schufen die norwegischen Entwickler mit AllTheWeb.com , einer innovativen und mächtigen Suche, die in Funktionen und Ergebnissen durchaus mit Google konkurrieren und es schlagen kann. Allein, das Marketing war ihre Sache nicht. Die Folge: Das Angebot wurde verkauft. AllTheWeb ging 2003 an Overture, Overture 2004 an Yahoo!, die fortan von überlegener Suchtechnik sprachen. Fast steckte das neue Geld in der Zwischenzeit in die Weiterentwicklung der eigenen Technik.

Zangenangriff auf Google – Seite 2

Heute, drei Jahre später, könnten Microsofts Suchergebnisse durch die Suchalgorithmen von Fast deutlich verbessert werden, was Grund genug für ein Angebot von 40 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs ist.

Zweitens Yahoo: Das Urgestein des Internets war der erste große Katalog im Netz, der Nutzern ein Gefühl von Ordnung vermitteln konnte. Ein Portal mit gutem Ruf und mehr als 345 Millionen Nutzern weltweit. Eine Marke, die jeder kennt und meistens auch sympathisch findet. Yahoo wurde übernahmereif, weil es sich mit zu vielen Einzelangeboten verzettelte.

Ganz wie seinerzeit Altavista. Alter-Wer? Altavista war das Google von 1998. Niemand kam daran vorbei, wenn es um Websuche ging, bis die Startseite in die Hand von Produktmanagern fiel, die vom Lottospiel bis zum Autoreifen alles hier platzierten. Dann kam Google und erlöste die Nutzer von der Überfrachtung. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass es ohne Altavista gehen könnte – bis Google als echter Underdog auf den Plan trat. Altavista ging 2003 an Overture, Overture 2004 wiederum an Yahoo!. Die Geschichte von Altavista lehrt Google, dass auch Platzhirsche untergehen können.

Nun also macht Microsoft ernst. Mit Yahoo! kommen das Image und die Nutzer, mit Fast eine Technik, vor der sich Google fast grausen muss. Ist das böse? Nicht, wenn man etwas Gutes daraus macht. Das Potenzial dafür ist nun vorhanden. Doch noch ist unklar, wofür Microsoft es nutzen wird. Mit Spannung schaut die Fachwelt daher auf die von Fast ausgerichtete Konferenz FASTforward'08 in Orlando/Florida, auf der über neue Formen der Suche und über die Zukunft von FAST zu reden sein wird. Sie wird die erste Gelegenheit sein zu prüfen, wohin der Wind des Wandels die Suchenden wehen wird.