Bei dem Brand in einem von Türken bewohnten Haus waren am Sonntag neun Menschen ums Leben gekommen, darunter fünf Kinder. Ungeklärt ist, ob das Feuer durch einen technischen Defekt oder Brandstiftung ausgelöst wurde. Vor allem in türkischen Medien wird spekuliert, dass
der Brand einen ausländerfeindlichen Hintergrund haben könnte.

Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte zu den heftigen Reaktionen in der Türkei und unter den türkischen Einwanderern in Deutschland: "Wir fühlen uns genauso betroffen, dass neun Menschen ums Leben gekommen sind, die bei uns gelebt haben. Wir sind in unserer Betroffenheit über Todesopfer nicht von der Staatsangehörigkeit abhängig." Schäuble betonte aber auch: "Wenn man Integration will, und ich will das, dann heißt das auch, dass man die aufnehmende Gesellschaft vor falschen Verdächtigungen und Pauschalurteilen in Schutz nehmen muss."

Zur Entsendung türkischer Ermittler nach Ludwigshafen sagte Schäuble: "Ich verstehe das als den Wunsch, den in Deutschland lebenden Türken und Menschen türkischer Abstammung die zusätzliche Versicherung zu geben, dass nichts unter den Teppich gekehrt wird." Für solche Sorgen gebe es aber keinen Grund. Schäuble hatte zugestimmt, dass die Regierung in Ankara die Brandermittler nach Deutschland schickt. Vereinzelt gibt es daran auch Kritik.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Kurt Beck rief ebenfalls dazu auf, nicht weiter Vorurteile zu schüren. Er wies zugleich Vorwürfe islamischer Organisationen zurück, er habe vorschnell eine Brandstiftung ausgeschlossen. Er habe am Montag nur den Ermittlungsstand zu diesem Zeitpunkt wiedergegeben, sagte Beck. Hätte er sich überhaupt nicht geäußert, wären die Spekulationen wohl "noch mehr ins Kraut geschossen", verteidigte er sich.

Beck wollte am Donnerstagnachmittag zusammen mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan den Brandort besuchen. Das Treffen sollte zur Beruhigung der aufgeheizten Stimmung dienen.